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Expertin: Gewalt durch Unterstützung friedlicher Proteste verhindern

Nach der versuchten Besetzung der Freien Universität Berlin (FU) vom 17. Oktober ruft die Direktorin des Moses Mendelssohn Zentrums, Miriam Rürup, zu weiteren Bemühungen um Dialog auf. „Gewalt in diesem Ausmaß und auf diese Weise ist überhaupt nicht das, was ich darunter verstehe, wenn ich mich dafür stark mache, dass es Protestcamps geben darf“, sagte sie am Dienstag im RBB-Inforadio. Der Angriff auf die Hochschule sei ein Tiefpunkt jeder Debatte.

Die Direktorin des Potsdamer Moses Mendelssohn Zentrums für europäisch-jüdische Studien plädierte dafür, bei Vandalismus mit den Maßnahmen des Rechtsstaats „klare Kante“ zu zeigen. Gewalt in Hörsälen lasse sich jedoch vermutlich am ehesten dadurch verhindern, dass die Hochschulen Räume für friedliche Protestformen und Veranstaltungen anbieten. Damit werde inzwischen an vielen Universitäten versucht, die Gewaltbereiten an den Rand zu drängen und diejenigen zu unterstützen, die aus Empathie, Verletztheit oder politischen Gründen heraus protestieren. „Genau das wäre die Antwort gegen die Militanten“, sagte Rürup.

Die Direktorin des Mendelssohn Zentrums sagte weiter, es müsse gelernt werden, „diesen Streit zu leben, Streit auszuhalten, eine Vielzahl von Positionen auszuhalten“. Dabei müsse gerade nicht nur auf diejenigen geschaut werden, die Vandalismus ausüben, sondern auch auf andere Protestformen. Wenn man da hinschaue, sei bereits viel gewonnen.

Rürup warnt davor, beide Seiten des Konfliktes gegeneinander auszuspielen. Dialog sei nötig, „auch wenn es unangenehm ist“. Bei der Attacke auf die FU war ein Schaden in sechsstelliger Höhe entstanden.