Frauen in der Kirche sind engagiert – aber noch immer viel zu selten in hohen Positionen vertreten. Ein Bonner Verein versucht, dies zu ändern. Und hat konkrete Vorstellungen.
In höchsten Führungsebenen braucht es laut einer Expertin mindestens 30 Prozent an Frauen, “damit sich eine Kultur verändert”. Es sei allgemein bekannt, dass das Engagement von Frauen in der Kirche sehr hoch sei, “aber dass die nicht an den entscheidenden Stellen sind, um mit entscheiden zu können”, sagte Stephanie Feder, Projektleiterin für “Kirche im Mentoring – Frauen steigen auf” beim Bonner Hildegardis-Verein, in einer neuen Folge des Podcasts “Himmelklar”. “In den höchsten Führungsebenen waren es vor zehn Jahren 19 Prozent Frauen und vor fünf Jahren 23 Prozent.”
Mit Blick auf die 30 Prozent betonte Feder. “Solange wir dieses Niveau nicht erreicht haben, ist das der eine Grund, warum wir noch so engagiert unterwegs sind, um das zu erreichen.” Auf der anderen Seite strebe der Verein nach Gleichberechtigung: “Ich denke dann immer, 30 Prozent sind ja gar nicht so viel, eigentlich müssten wir 50 Prozent einfordern.”
Feder stellte die Frage, welche Gründe es gebe, Frauen von diesen Ämtern fernzuhalten. “Es liegt nicht an der Kompetenz. Es hat häufiger mit sozialen Aspekten zu tun – wie der Frage danach, wer die Care-Arbeit (Sorgearbeit) übernimmt. Das sind Elemente, wofür wir uns einsetzen.”
Die deutschen Bischöfe hätten sich verpflichtet, den Frauenanteil in Führungspositionen zu erhöhen. Daraufhin habe der Hildegardis-Verein das Mentoring-Programm zur Verfügung gestellt. Eine neue Gruppe starte jetzt im Juni. Frauen müssten sichtbar sein, betonte Feder. “Frauen sind häufig eher zurückhaltend oder warten darauf, dass jemand sie anspricht.” Dabei könnten sie sich mit eigenen Talenten und Fähigkeiten in den Vordergrund stellen.
Feder verwies auf neu geschaffene Ämter wie Amtschefinnen oder Verwaltungsleitungen, die direkt dem Generalvikar “gegenübergestellt” seien. Dies übernähmen bereits vereinzelt Frauen. “Das ist unsere Vision, die damit verbunden ist, Frauen auch an diese Positionen zu bringen, weil es die ja gibt. Die können männliche Laien, aber eben auch weibliche Laien einnehmen.” Insgesamt sei es “schon eine gewisse Herausforderung”, wie die Kirche grundsätzlich mit Frauen umgehe. Der Kirche würde es als Arbeitgeberin guttun, alle Talente zu nutzen und Frauen zum Beispiel in Führung zu bringen. “Ich bin eigentlich sehr zuversichtlich”, so Feder.