Energydrinks sind vor allem bei Jugendlichen beliebt – doch laut der Ernährungswissenschaftlerin Lena Melzer vom Stuttgarter Gesundheitsamt gesundheitlich bedenklich. „Eine große Dose mit 500 Millilitern enthält im Schnitt 60 Gramm Zucker, also rund 20 Stück Würfelzucker“, sagte sie im Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst (epd). Der hohe Zuckergehalt könne Übergewicht, Diabetes und Karies fördern. Zusätzlich griffen enthaltene Säuren wie Zitronensäure den Zahnschmelz an.
Außerdem würden Kinder und Jugendliche wegen ihres geringeren Körpergewichts deutlich weniger Koffein als Erwachsene vertragen: Etwa drei Milligramm Koffein pro Kilogramm Körpergewicht am Tag. „Ein Zwölfjähriger mit 50 Kilo sollte also höchstens 150 Milligramm pro Tag aufnehmen. Diese Menge ist schon mit einer 500-Milliliter-Dose überschritten.“
Zu viel Koffein könne neben Schlaflosigkeit und Kopfschmerzen zu Bluthochdruck, Herzrhythmusstörungen oder sogar einem Kreislaufkollaps führen, vor allem, wenn körperliche Anstrengung, Schlafmangel oder Vorerkrankungen dazukommen. „Besonders kritisch ist, wenn Energydrinks mit Alkohol kombiniert werden, weil Koffein die Wirkung von Alkohol überdeckt und so riskantes Verhalten fördern kann.“
Studien zeigten etwa, dass ein Viertel der Kinder und Jugendlichen, die Energydrinks zu sich nehmen, drei oder mehr Dosen auf einmal trinken – damit würden selbst für Erwachsene geltende Höchstmengen überschritten. Laut dem Bundesinstitut für Risikobewertung trinken rund zehn Prozent der Kinder und Jugendlichen übermäßig viele Energydrinks, sagte Melzer.
Seit 2018 sei der Pro-Kopf-Verbrauch von Energydrinks und Sportgetränken um etwa 66 Prozent gestiegen. Ein Grund sei das aggressive Marketing: Energydrinks würden mit Versprechen wie „mehr Energie“ oder „bessere Leistung“ beworben – und gezielt über Social-Media-Influencer vermarktet.
Mehrere Länder, darunter Polen, Schweden und Norwegen, hätten den Verkauf an Minderjährige bereits untersagt. Auch in Deutschland forderten Organisationen wie der Bürgerrat Ernährung oder die Verbraucherzentralen ein Verkaufsverbot – mindestens für Jugendliche unter 16 Jahren. Warnhinweise auf Dosen alleine reichten nicht aus, sagte Melzer. „Nötig sind deutlich sichtbare Hinweise auf der Vorderseite sowie klare Warnungen vor dem gleichzeitigen Konsum mit Alkohol.“
Denkbar seien auch Steuern auf Softdrinks oder strengere Werberegeln in sozialen Netzwerken. Parallel dazu brauche es Aufklärung, vor allem an Schulen, damit Kinder und Jugendliche die gesundheitlichen Risiken kennen. „Wir als Gesundheitsamt Stuttgart setzen zum Beispiel auf Schulgesundheitsfachkräfte, die an Schulen unter anderem über Ernährung und Energydrinks informieren. Das erreicht die Jugendlichen direkt im Alltag“, sagte die Ernährungswissenschaftlerin. (2895/13.11.2025)