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Experten begrüßen Vorhaben für ausländische Fachkräfte in NRW

Vertreter von Wirtschaft und Verbänden haben am Mittwoch das Vorhaben der NRW-Landesregierung befürwortet, die Möglichkeiten der Zuwanderung von ausländischen Fachkräften sowie der Anerkennung von deren Berufsqualifikationen zu verbessern. Der DGB NRW verwies in seiner Stellungnahme im Arbeits- und Sozialausschuss des Landtags auf die Hürde der bislang „unverständlich langen“ Anerkennungsverfahren. Deshalb sei vor allem mehr Personal in den zuständigen Behörden notwendig. Auch seien die Verfahren für Eingewanderte oft teuer, weil neben den Gebühren und Auslagen vor allem Kosten für Übersetzungen, Beglaubigungen und Gutachten anfielen.

Die Industrie- und Handelskammern (IHK) NRW rieten zu einem standardisierten Verfahren zur Feststellung der Kompetenz von Bewerbern. Bei den einzelnen Kammern gebe es bereits zahlreiche Beratungsangebote, die Unternehmen bei der Suche nach Fachkräften unterstützten. Seit 2016 seien zudem sogenannte Willkommenslotsen in den Industrie- und Handelskammern sowie den Handwerks- und Landwirtschaftskammern tätig. Sie berieten Flüchtlinge in Fragen der Anerkennung von Abschlüssen und anderen Belangen.

Die Freie Wohlfahrtspflege NRW forderte mit Blick auf die „Willkommenskultur“, den gesellschaftlichen Status ausländischer Fach- und Arbeitskräfte stärker zu beachten. Dieser Status sei in den Herkunftsländern oft höher als hierzulande, weil es beispielsweise in den Pflegeberufen eine stärkere Akademisierung gebe. Bei der Suche nach Fachkräften dürfe nicht vergessen werden, dass neben Industrie und Handwerk auch Pflege und Erziehung einen hohen Bedarf an neuen Beschäftigten hätten.

Die Regionaldirektion NRW der Bundesagentur für Arbeit will unterdessen nach eigener Ankündigung in Kürze einen „Turbo zur Arbeitsmarktintegration von Geflüchteten“ starten. Damit sollen die Erfassung von Qualifikationen sowie Maßnahmen zur nachträglichen Qualifizierung besser verzahnt werden. Notwendige Rahmenbedingung sei jedoch eine Beschleunigung des Verfahrens zur Anerkennung ausländischer Qualifikationen. Gesetzliche Arbeitsverbote für Flüchtlinge beschränkten jedoch während des Aufenthalts in den Aufnahmeeinrichtungen den Einsatz arbeitsmarktpolitischer Instrumente.

In einem gemeinsamen Antrag betonen die Regierungsfraktionen von CDU und Grünen, dass möglichst einheitliche rechtliche Rahmenbedingungen in Bund und Ländern notwendig seien. Angesichts des Fachkräftemangels sollten bürokratische Hürden abgebaut und Anerkennungsverfahren beschleunigt werden. Viele Personen würden ihre Berufsqualifikation gar nicht anerkennen lassen und Tätigkeiten unterhalb ihrer tatsächlichen Qualifikation ausüben. So kamen den Angaben zufolge im Jahr 2021 zwar rund 258.000 Zugewanderte nach NRW, jedoch wurden nur rund 10.500 Anträge auf Feststellung einer Berufsqualifikation bearbeitet.