Experte: Zahl der Angriffe auf Heimkehrer in Bosnien gestiegen

Während des Bosnienkriegs wurden sie aus ihren Städten und Dörfern vertrieben, heute hält die Angst sie fern: Bosniens Kriegsvertriebene leben zum Großteil weiterhin in Unsicherheit.

Drei Jahrzehnte nach dem Bosnienkrieg (1992-95) sind ehemalige Flüchtlinge in dem Balkan-Staat weiterhin Angriffen ausgesetzt. Das sagte Murat Tahirovic, Präsident der "Vereinigung von Genozid-Opfern und -Zeugen", am Dienstag der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) in Sarajevo. Er äußerte sich vor einer geplanten UN-Resolution, die einen eigenen Gedenktag für den Völkermord von Srebrenica vorsieht.

"In den vergangenen Jahren ist die Zahl der Angriffe auf Rückkehrer drastisch gestiegen", so Tahirovic. Dies sei eine Folge der "hitzigen Rhetorik", die überwiegend von den Anführern der von ethnischen Serben bewohnten Republika Srpska ausgehe. Bosnien bleibt nach dem Friedensschluss 1995 in eine serbische und eine bosniakisch-kroatische Teilrepublik gespalten. "Leider unternehmen die Regierenden, vor allem jene der Republika Srpska, nichts, um das Leben der Rückkehrer zu vereinfachen", kritisierte Tahirovic. Während ehemalige Flüchtlinge Einschüchterungen ausgesetzt seien, kämen die Täter meist straffrei davon.

Wiederholt kam es in Bosnien-Herzegowina in den vergangenen Monaten zu Übergriffen auf Bewohner, die sich zur Rückkehr in ihre einstigen Dörfer und Städte entschlossen haben. Vergangene Woche sorgte ein Vorfall in der südbosnischen Stadt Gacko für Aufsehen, bei dem Täter das Haus einer Rückkehrer-Familie unter Beschuss nahmen. Im April wurden vier junge Bosniaken auf dem Weg nach Hause von Maskierten zusammengeschlagen.

Besorgt ist auch der Hohe UN-Repräsentant für Bosnien, der deutsche Politiker Christian Schmidt (CSU). Er betonte kürzlich, dass es sich nicht um Einzelfälle handele - und fügte hinzu: "Annex 7 des Dayton-Vertrags gibt eine Garantie, dass jeder zurückkehren kann. Doch das hat bisher nur beschränkt funktioniert."

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