In Chile haben ehemalige Bewohner der deutschen Siedlung Colonia Dignidad für deren endgültige Auflösung und eine Entschädigung der Opfer demonstriert. Ein Dutzend Menschen blockierten für mehrere Stunden die Zufahrt zur Siedlung, die derzeit von ehemaligen Führungspersonen als Ausflugsziel für Touristen mit bayrischem Flair betrieben wird. Die Demonstranten verwiesen darauf, dass der heutige Tourismus- und Landwirtschaftsbetrieb vom ehemaligen Gründer der totalitären Gemeinschaft, Paul Schäfer, aufgebaut worden sei und ihnen die Löhne für 45 Jahre sklavenähnlicher Arbeit schulde.
Mit Blick auf den für Dienstag geplanten Besuch von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier in Chile kritisieren die ehemaligen Siedler fehlende Fortschritte beim Bau einer Gedenkstätte und zur effektiven Entschädigung der Opfer. In einer Pressemitteilung erklärten sie: „Neun Jahre, nachdem der damalige Außenminister Steinmeier die moralische Schuld des deutschen Staates anerkannt hat, gibt es viele Gesten, aber keine Taten.“
