Evangelische Frauen beteiligen sich am globalen Frauenstreik

Evangelische Frauenverbände und Mitarbeitende kirchlicher Einrichtungen schließen sich dem globalen Frauengeneralstreik an. Damit wollen sie die unsichtbare Care-Arbeit von Frauen sichtbar machen.
Evangelische Frauen beteiligen sich am globalen Frauenstreik
Mehrere tausend Menschen haben zum Weltfrauentag in Berlin für gleiche Chancen und Rechte für alle Menschen demonstriert (Archivbild 2025)
epd-bild/Christian Ditsch

Heute, am 9. März, dem Tag des globalen Frauengeneralstreiks, erheben auch evangelische Frauen in Deutschland ihre Stimme. „Wir wollen die unsichtbare Arbeit, die Frauen leisten, sichtbar machen“, sagt Pfarrerin Maike Schöfer, die dem Vorstand der Frauen der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EKBO) angehört. Sie wird am Brandenburger Tor als Vertreterin des Vorstands der Frauen der EKBO mitstreiken, um zu zeigen, was passiert, wenn Frauen ihre Arbeit in Familie, Job und Gesellschaft niederlegen.

Evangelische Frauenverbände und Einrichtungen in ganz Deutschland rufen zur Teilnahme am Streik auf. Für Maike Schöfer ist das eine Chance, sich im Sinne einer „christlich feministischen Schwesterlichkeit“ zu vernetzen, wie sie sagt. Auch Mitarbeitende des Evangelischen Werks für Diakonie und Entwicklung e.V. (EWDE) werden am Brandenburger Tor dabei sein – außerhalb ihrer Arbeitszeit, wie die Gleichstellungsbeauftragte Mirjam Roller betont. Sie lädt vor der Aktion für eine Stunde zu einer Frauenversammlung ein: „Wir werden uns austauschen und Ideen sammeln“, sagt sie.

Zeichen gegen Gewalt an Frauen

Der Frauenstreik wurde von feministischen Bündnissen wie dem globalen Enough-Kollektiv und dem bundesweiten Töchter-Kollektiv initiiert. Er reagiert auf weltweite Krisen und Ungleichheiten. „Frauen stellen 49,7 Prozent der Weltbevölkerung aus, haben aber weiterhin deutlich weniger politische und wirtschaftliche Macht. Das muss sich ändern“, erklärt die Initiative „Enough! Genug! “. Der Streik verurteilt die systematische Abwertung von Frauen, Gewalt gegen Frauen und unbezahlte Care-Arbeit.

„Wir sind so eingebunden in unserem Leben, dass wir es uns gar nicht leisten können, unsere Arbeit niederzulegen“, sagt Maike Schöfer. Laut Statistischem Bundesamt sind Frauen im privaten Bereich für 43,4 Prozent mehr Care-Arbeit verantwortlich als Männer. Obwohl Männer sich zunehmend an Haushalt und Kindererziehung beteiligen, übernehmen Mütter im Schnitt 14 Stunden mehr unbezahlte Arbeit pro Woche. „Der Streik ist daher ein Zeichen dafür, wie sehr unsere Gesellschaft auf der Arbeit von Frauen basiert – wenn sie stillsteht, wird das sichtbar“, sagt Meike Trommler-Müllauer, die das Frauenwerk der Nordkirche leitet.

Das Frauenwerk der Nordkirche organisiert am Montagvormittag ein Picknick auf dem Kieler Rathausmarkt. Das Motto: „Öffentliches Nichtstun. Genug ist genug. Ohne uns steht alles still. Gemeinsam innehalten statt funktionieren. Zeit füreinander – für Austausch und Sichtbarkeit! “ Die Privatinitiative „women*move 2024“, entstanden aus der Arbeit der Fachberatungsstelle Contra, hat die Veranstaltung ins Leben gerufen. Trägerin der Beratungsstelle ist das Frauenwerk der Nordkirche. „Unsere Arbeitgeberin, die Nordkirche, unterstützt unsere Initiative“, sagt Trommler-Müllauer. Mit der Teilnahme am Streik setzt das Frauenwerk als auch ein Zeichen dafür, dass die Nordkirche die politischen Forderungen der Proteste unterstütze, so Trommler-Müllauer.

Solch ein Generalstreik, also ein politischer Streik, ist arbeitsrechtlich nicht gedeckt. In Einrichtungen der evangelischen Kirche und der Diakonie gibt es grundsätzlich sowieso kein Streikrecht. Dennoch finden Mitarbeitende Wege, sich zu beteiligen – etwa durch Ausstempeln während der Arbeitszeit, wie im Evangelischen Werk für Diakonie und Entwicklung. In Oldenburg lädt der Kreisjugenddienst der Evangelischen Jugend zu einem Fachtag ein, der Gleichstellung und Empowerment für FLINTA thematisiert. „Auch wenn wir nicht streiken können, möchten wir diesen Vormittag gern bewusst nutzen - Zeit für Reflexion, Austausch und gegenseitige Stärkung“, heißt es auf der Homepage.

Kirche muss über eigene Strukturen nachdenken

Meike Trommler-Müllauer hofft auf breite Beteiligung und öffentliche Aufmerksamkeit. Sie fordert schnelle politische Reformen und einen Bewusstseinswandel, umBereiche wie Pflege, Bildung und Familienpolitik stärker als Investitionen in gesellschaftlichen Wohlstand zu bewerten“. Innerhalb der Kirche sieht sie den Streiktag als Erfolg, wenn er zu mehr Reflexion über kirchliche Strukturen und Arbeitsbedingungen führt. Das Evangelische Gütesiegel Familienorientierung ist aus ihrer Sicht ein guter Anfang. „Ich würde mich freuen, wenn es in allen Arbeitsbereichen der Nordkirche Beachtung erfährt und weiter ausgebaut würde.“

Wer heute aus arbeitsrechtlichen Gründen nicht streiken kann, hat andere Möglichkeiten. Frauen können ihre unbezahlte Arbeit ruhen lassen und darüber das Gespräch mit ihrem Partner suchen. In vielen Städten gibt es außerdem nachmittags Veranstaltungen, um über die Situation von Frauen zu sprechen.

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