Seit Beginn des Krieges in der Ukraine sammeln europäische Rundfunkanstalten ihr Bild- und Tonmaterial in einem Archiv. Nun soll es für Recherchezwecke freigegeben werden.
Die Europäische Rundfunkunion (EBU) öffnet ihr Ukraine-Archiv für Journalisten, Wissenschaftler und Menschenrechtsgruppen. Das gab die Organisation am Dienstag bekannt. Das Ukraine-Archiv enthält demnach mehr als 30.000 Videos, Tonaufnahmen und Social-Media-Inhalte, die seit dem Überfall Russlands auf die Ukraine im Februar 2022 entstanden sind.
Aufgebaut wurde das Archiv in Zusammenarbeit mit den öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten, die Mitglied in der EBU sind und die ihr Material zur Verfügung gestellt haben. Auf Anfrage sollen künftig Journalisten, Wissenschaftler, Ermittler und andere Interessierte einen Zugang zu dem Material erhalten. Ziel des Schritts ist es, diesen Gruppen die Aufarbeitung von Menschenrechtsverletzungen im Zuge des Krieges zu erleichtern.
"In einer Zeit der grassierenden Falschinformationen haben wir das Ukraine-Archiv geschaffen, um Fakten im Interesse der Öffentlichkeit zu sammeln und zu bewahren", erklärte EBU-Nachrichtenchefin Liz Corbin. Das Archiv sei eine Aufzeichnung dessen, was geschehen sei, und eine einzigartige Quelle, die einen Einblick in die Ereignisse gebe - "der erste Entwurf der Geschichte".
Das Material könne nach Datum, Ort oder anderen Details durchsucht werden, so die EBU. Außerdem habe man allen Aufnahmen Schlagworte zu Kriegsverbrechen gegeben, die in dem jeweiligen Material zu sehen sein sollen. Das soll die Recherche erleichtern.
Die Europäische Rundfunkunion vereint 113 Mitglieder aus 56 Ländern. Dazu kommen Partneranstalten auf anderen Kontinenten. Die Mitgliedsanstalten betreiben nach Angaben der EBU fast 2.000 Fernseh-, Radio- und Online-Angebote. Damit erreichen sie eigenen Angaben zufolge über eine Milliarde Menschen.