Streit zwischen Google und Verlagshäusern gibt es immer wieder. Nun schaltet sich die EU ein und untersucht, ob die Suchmaschine Medieninhalte systematisch benachteiligt. Dem US-Konzern drohen saftige Strafen.
Die EU-Kommission ermittelt gegen Google wegen einer möglichen Benachteiligung von Verlagshäusern bei den Suchergebnissen. Wie die Kommission am Donnerstag in einer Pressemitteilung bekanntgab, hat sie eine Untersuchung gestartet, ob Google gegen den Digital Markets Act (DMA) verstößt, ein EU-Gesetz zum Wettbewerbsrecht in der digitalen Welt. Demnach gibt es Hinweise, dass Google Inhalte von Verlagshäusern in der Liste der Suchergebnisse weiter unten aufführt, wenn sie Inhalte von sogenannten Drittanbietern, zum Beispiel Werbung, enthalten. Das könne eine Bedrohung für das Geschäftsmodell der Medienhäuser sein.
Bei der Erstellung der Ergebnisliste durchsucht Google das Internet nach Webseiten, die zur Suchanfrage der Nutzer passen. Dabei kommen Algorithmen zum Einsatz, die die Liste so sortieren, dass die Nutzer möglichst schnell zu der Webseite gelangen, die ihrem Anliegen am besten nützt. Dazu bezieht der Algorithmus neben den Inhalten einer Suchanfrage und der Webseiten auch andere Aspekte mit ein, beispielsweise ob eine Webseite einen vertrauenswürdigen Ruf genießt.
Um zu verhindern, dass Dritte zum Beispiel über Werbeanzeigen vom guten Ruf eines Verlagshauses profitieren und so die eigenen Inhalte über den Umweg einer fremden Webseite in der Ergebnisliste weiter oben positionieren, straft Google Webseiten mit Inhalten von Drittanbietern ab. Das könnte der EU-Kommission zufolge die Interessen der Verlagshäuser, die sich oft hauptsächlich über Werbung finanzieren, verletzen und so einen Verstoß gegen das Gesetz darstellen.
Die Kommission will nun innerhalb eines Jahres zu einer vorläufigen Einschätzung kommen, anhand derer man dann mit Google in Verhandlungen über technische Veränderungen gehen kann. Sollte tatsächlich ein Gesetzesverstoß vorliegen und Google sich weigern, die entsprechende Praxis zu ändern, kann die Kommission eine Strafe von bis zu zehn Prozent des weltweiten Jahresumsatzes von Google verhängen, bei wiederholten Verstößen sogar 20 Prozent. Außerdem erlaubt der DMA der EU theoretisch auch, den US-Konzern von Europa aus zu zerschlagen.