Mit einer Massenentlassung von Richtern und Anwälten treibt das Regime in Nicaragua offenbar eine lückenlose Besetzung des Justizsystems mit loyalen Mitarbeitern voran. Die Regierung von Präsident Daniel Ortega und seiner Ehefrau sowie Vizepräsidentin Rosario Murillo entließ laut Oppositionsmedien landesweit bis zu 1.000 Beschäftigte. Das seien etwa zehn Prozent aller Justizbeamter, berichtete die Internet-Zeitung „La Prensa“ am Mittwoch (Ortszeit). Auch beim Obersten Gericht herrsche eine Atmosphäre der Angst.
Die Menschen seien sehr kurzfristig, ohne Vorankündigung und Abfindung, entlassen worden, berichtete „La Prensa“. Einige seien zudem von der Polizei verhört worden. Die Maßnahme richtet sich demnach gegen Juristinnen und Juristen, die nicht im Sinne des Regimes entschieden. Laut dem Bericht wird nun spekuliert, dass ähnliche Massenentlassungen im Militär und bei den Behörden drohen.
Seit einer Protestwelle gegen die Regierung 2018 gehen Ortega und Murillo massiv gegen Kritikerinnen und Kritiker vor. Tausende nicht-staatliche Organisationen wurden verboten, Regime-Gegner ins Exil getrieben oder ausgewiesen. Auch katholische Geistliche verfolgt die Regierung.