Hunderte Verschleppte, Angriffe auf Kirchen und Schulen und kein funktionierendes Rechtssystem. In Teilen Nigerias ist die Gewalt wieder eskaliert. Die Deutsche Bischofskonferenz hat eine Arbeitshilfe erstellt.
Als “brutal und furchtbar” hat der Erzbischof von Abuja, Ignatius Kaigama, die aktuelle Situation in seinem Heimatland Nigeria bezeichnet. Anlässlich der Vorstellung der Arbeitshilfe Nigeria der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) am Mittwoch sagte er: “Wir sind alle müde wegen dieser Situation, müssen aber über sie sprechen.” Er verwies dabei auf die jüngste Welle der Gewalt. So wurden im Bundesstaat Niger am 21. November mehr als 300 Mädchen und Jungen aus dem Internat der katholischen Schule St. Mary entführt.
Kaigama betonte, dass Entführungen in Nigeria immer wieder geschähen. Er hoffe auf effektive Lösungen, berichtete allerdings auch über ein informelles Treffen mit Nigerias Präsident Bola Tinubu. Auch dieser sei überwältigt von der Situation.
Dabei ging er auch auf die Drohungen von US-Präsident Donald Trump ein, militärisch einzugreifen, falls die “Tötung von Christen” nicht aufhöre. “Wir waren erleichtert, als er das aussprach.” Er habe Autorität und “uns gezeigt, was falsch läuft”. Kaigama forderte deshalb mehr klare Statements aus Europa, kritisierte allerdings auch, dass bisher keine Taten folgten. Stattdessen hätten die Entführungen zugenommen.
Allerdings, so Kaigama, hätten Verantwortliche in Nigeria mit einbezogen werden müssen. Bomben und Waffen würden die Probleme nicht lösen. Man müsse die Wurzeln erkennen.
Auch der Vorsitzender der Kommission Weltkirche der Deutschen Bischofskonferenz, der Augsburger Bischof Bertram Meier, warnte vor holzschnittartigen Bewertungen. Es brauche Differenziertheit in Bewertung und Vorgehensweise.
Ob Taten religiös motiviert oder ob andere Interessen im Spiel seien, lasse sich oft nur schwer zu beurteilen. Meier betonte die Komplexität des Landes. “Denn ganz offenkundig greifen gerade in Nigeria, einem Land von vibrierender Religiosität, ethnische, politische, materielle und religiöse Faktoren allzu oft ineinander.” Man spreche oft von “religiösen” Konflikten, auch wenn die primären Ursachen anderer Natur sind.
Nigeria zählt mehr als 235 Millionen Einwohner und ist das bevölkerungsreichste Land Afrikas. Im Süden sind Christen in der Mehrheit, im Norden, wo in zwölf Bundesstaaten die islamische Scharia gilt, Muslime. Seit den 2000er Jahren konnten sich radikal islamistische Gruppierungen wie Boko Haram ausbreiten. Nigeria erlebt allerdings auch Bandenkriminalität.