Predigttext
4 Aber Gott, der reich ist an Barmherzigkeit, hat in seiner großen Liebe, mit der er uns geliebt hat, 5 auch uns, die wir tot waren in den Sünden, mit Christus lebendig gemacht – aus Gnade seid ihr gerettet –; 6 und er hat uns mit auferweckt und mit eingesetzt im Himmel in Christus Jesus, 7 damit er in den kommenden Zeiten erzeige den überschwänglichen Reichtum seiner Gnade durch seine Güte gegen uns in Christus Jesus. 8 Denn aus Gnade seid ihr gerettet durch Glauben, und das nicht aus euch: Gottes Gabe ist es, 9 nicht aus Werken, damit sich nicht jemand rühme. 10 Denn wir sind sein Werk, geschaffen in Christus Jesus zu guten Werken, die Gott zuvor bereitet hat, dass wir darin wandeln sollen.
Gott hat eingegriffen. Er hat uns herausgerissen. „Uns, die wir tot waren in Sünden.“ Das schreibt der Apostel den Christen in Ephesus. Er wendet sich damit gegen die Haltung: Toten ist alles gleichgültig, über sie wächst ja doch das Gras des Vergessens. Für Tote spielt es keine Rolle, ob etwas gerecht ist oder ungerecht.
Und weil am Ende angeblich nichts mehr kommt – darum der Versuch bei so vielen, aus diesem Stück Leben möglichst viel herauszuholen. „So waren wir“, sagt der Apostel. Er macht das nicht an einzelnen Sünden fest, sondern meint Christen allgemein. Auch sie waren Teil dieser selbstsüchtigen Welt.
Gottes Liebe rettet die Welt
Da hat Gott gehandelt. „In seiner großen Liebe, mit der er uns geliebt hat.“ Das ist sprachlich vielleicht nicht besonders schön ausgedrückt – aber dem Apostel geht es vor allem um das Betonen von Gott und seiner heilsamen Aktion, von seiner Liebe, mit der er die Welt rettet.
Wie soll das gehen? Ein ewiger Gott, der die Welt hält? Das mögen wir uns vielleicht vorstellen. Aber einer, der mitten in dieser Welt handelt.
Wovon lassen wir uns ergreifen?
Wir können das nicht begreifen, so wenig wie das die Menschen damals begreifen konnten. Aber wir können uns von dieser Botschaft ergreifen lassen. Wie von anderen Dingen im Leben, die wir auch nicht verstehen, die uns aber tief bewegen. Von Liebe etwa oder von Erlebnissen in der Natur.
Gott hat mit Christus für uns gehandelt. Er hat „uns mit Christus lebendig gemacht“. Uns Menschen durch den Menschen Jesus Christus. Gott kommt zu uns mit seinem Sohn – und wird damit zu der Kraft, die uns treibt und zieht in unserem Leben.
Erkennen, was das Leben ausmacht
Lebendig macht er uns in dem Sinne, dass wir erkennen, was Leben ausmacht – und anfangen, mit Herzen, Mund und Händen danach zu leben. Wo vorher die große Gleichgültigkeit bei den Menschen war, da kommen sie jetzt in die „Christus-Bewegung“ hinein. Ganz von Gott her und zugleich ganz auf dieser Erde. Sie werden erfasst von der großen Unruhe – und zugleich von der tiefen Gewissheit: Durch ihn sind wir ja schon gerettet!
„Wir sind mit auferweckt“ – das ist zusammengefasst eine Beschreibung des christlichen Lebens. Der Auferstandene, auf dessen Namen Christen getauft sind, weist ihnen den Weg nach vorn. Lässt sie hoffen, dass diese Welt, die so voller Unrecht und Gewalt ist, nicht das letzte Wort hat. Sondern das letzte Wort ist von Gott schon gesprochen: Aus Gnade seid ihr gerettet.
Und wir sind noch mehr, nämlich „mit eingesetzt im Himmel“. Das bedeutet nicht: Wir sind schon in den Himmel versetzt und haben die Dunkelheiten der Erde hinter uns gelassen.
Ein Geschenk für die Zukunft
Das bedeutet: Eingesetzt sind alle, die zu Christus gehören. Ähnlich wie bei einer Erbschaft: Wenn jemand sein Testament verfasst und dabei seine Erben bestimmt. Mit dieser Einsetzung wissen die Erben genau: Das wird unsere Zukunft sein, dieses Geschenk ist uns jetzt schon unwiderruflich zugedacht. Aber wir verfügen darüber noch nicht.
Anleitung zur Gerechtigkeit
Trotzdem haben wir im Glauben schon jetzt etwas in unseren Händen: Durch das Geschenk seiner Gnade hat Gott uns frei gemacht, im Umgang mit anderen Menschen gute Werke zu tun. Wir sollen und können uns damit nichts gegenüber Gott verdienen – Gottes Gabe ist längst da, sein großes Geschenk.
In der Freude darüber brauchen Christen nicht mehr wie die alten Menschen zu leben. Der Reformator Johannes Calvin beschreibt es so: „Durch Gottes Geist werden wir angeleitet zur Gerechtigkeit.“ Gott sei Dank!
