Osnabrück. Der Osnabrücker Islamexperte Rauf Ceylan hat die geplante Umwandlung der Istanbuler Hagia Sophia von einem Museum in eine Moschee scharf kritisiert. Die Entscheidung sei ein historischer Fehler und auch in theologischer Hinsicht fragwürdig, sagte Ceylan dem Evangelischen Pressedienst (epd). "Christliche Gotteshäuser sind im Islam geschützt. Für die christlich-orthodoxe Welt ist die Hagia Sophia immer noch wichtig. Tausende Gläubige pilgern jedes Jahr dorthin. Das ist ein Stich ins Herz der orthodoxen Welt."
Allerdings habe ihn der Schritt des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan nicht überrascht, betonte Ceylan. Türkisch-nationalistische und rechtskonservative Kreise forderten die Umwandlung zur Moschee bereits seit Jahrzehnten. Ihnen sei das Museum seit dessen Gründung in den 1930er Jahren ein Dorn im Auge gewesen. Denn es stehe für den von Kemal Atatürk (1881-1938) vertretenen Laizismus, also die strikte Trennung von Kirche und Staat.

