Kiel. Er schreibt buchstäblich Geschichte: Etwa 70 Publikationen hat der Verein für Schleswig-Holsteinische Kirchengeschichte (VSHKG) aus Kiel seit seiner Gründung am 6. Juli 1896 herausgebracht. Themen waren etwa die Kirche im Nationalsozialismus, die Gründung der Nordkirche und die Geschichte der Evangelischen Jugend. „Erinnerungskultur ist wichtig für die lokale Identität. Dazu wollen wir beitragen“, sagt der stellvertretende Vorsitzende Rainer Hering. Getragen wird der Verein von Gemeindepastoren und Kirchenhistorikern. Mit einem Festakt feiert der Verein sein 125-jähriges Bestehen am Dienstag, 26. Oktober, um 17 Uhr in der Kieler Nikolai-Kirche.
Über viele Generationen hinweg war es für Pastoren und Gemeinden der Schleswig-Holsteinischen Landeskirche selbstverständlich, Mitglied im VSHKG zu sein. „Heute sind wir noch knapp 200 Mitglieder, Tendenz leider abnehmend“, sagt Hering, der seit 2008 im Vereinsvorstand ist und hauptberuflich das Landesarchiv in Schleswig leitet. Viele Pastoren fühlten sich durch zusätzliche Vereinsarbeit überfordert. Dennoch sei der Verein für die Zukunftsplanung von Kirchengemeinden nützlich, so Hering. „Fusionen von Kirchengemeinden sind oft schwierig. Dabei spielt die Geschichte eine große Rolle. Bei der Aufarbeitung können wir helfen.“Kontroverse wird dokumentiert
Heikle kirchengeschichtliche Themen aufzugreifen, wissenschaftlich zu analysieren und sie einer interessierten Öffentlichkeit zugänglich zu machen – das ist Ziel des Vereins. Als der Historiker Stephan Linck 2013 sein Buch „Neue Anfänge“ herausbrachte, wurde die Rolle der Bekennenden Kirche in der NS-Zeit heftig diskutiert. Die Bekennende Kirche stellte sich gegen die Einführung des Arierparagrafen in der Kirche. Lincks Überzeugung zufolge hat der führende Kopf der Bekennenden Kirche, Holsteins späterer Bischof Wilhelm Halfmann, judenfeindliche Überzeugungen aber geteilt. Der Geschichtsverein hat diese Kontroverse nun dokumentiert, ein über 200 Seiten starker Band wird dazu im kommenden Jahr erscheinen.

