Sie wären im vergangenen September dran gewesen, die Konfirmandinnen und Konfirmanden der St. Georgs-Gemeinde in Hattingen. Mit Hygienekonzept natürlich, aufgeteilt in drei Gruppen. Aber nach den Sommerferien stiegen die Ansteckungszahlen wieder. Also beschlossen die Konfis gemeinsam mit ihrem Pfarrer Frank Bottenberg, die Einsegnung auf den Mai 2021 zu verschieben.
Kein guter Plan, wie sich herausstellte. Die dritte Welle kam; die Lage spitzte sich weiter zu, und die Konzepte änderten sich fast wöchentlich. „Wir dachten erst noch, wir könnten Sechser-Gruppen konfirmieren“, erzählt Frank Bottenberg. „Aber dann kam die Bundesnotbremse, und da wollten wir kein falsches Signal setzen – obwohl es rechtlich möglich gewesen wäre.“
Also noch einmal verschieben? Die Hälfte des Jahrgangs war dazu bereit – die andere Hälfte aber wollte die Feier zum geplanten Termin durchziehen, notfalls im ganz kleinen Rahmen. Den Ausschlag gab eine Mutter, die sagte: „Die Jugendlichen verzichten die ganze Zeit; die brauchen jetzt einmal einen Höhepunkt.“
„Das leuchtete mir ein“, erzählt Bottenberg. „Ich habe in unseren Zoom-Treffen gemerkt, wie einsam sich die Jugendlichen fühlen. Die schrieben Sätze wie ,Die Wochentage fühlen sich alle gleich an‘ oder ,Ich gehe immer allein raus, nur der Hund kommt mit‘. Für mich war das auch ein seelsorgliches Anliegen, dass wir ihnen die Möglichkeit geben, sich einmal wieder schick zu machen und so richtig im Mittelpunkt zu stehen.“
Also wurde das ganze Konfirmations-Konzept noch einmal auf den Kopf gestellt: Die Feier fand im Rahmen der Offenen Kirche statt; die Jugendlichen kamen allein oder zu zweit mit der engsten Familie. Der Gottesdienst wurde auf wenige Elemente reduziert. Und um zu unterstreichen, dass dieser Tag die Jungendlichen in den Mittelpunkt stellen sollte, dachte sich das Mitarbeitendenteam einen besonderen Überraschungseffekt aus: ein Oldtimer mit Chauffeur für den Weg zur Kirche und zurück – eine Idee, die auf die Weihnachtsaktion des vergangenen Jahres zurückging, als ein Lastwagen mit Krippe durch die Gemeinde fuhr.
„Ich habe meinen Nachbarn gefragt, der eine wunderschöne alte Ente besitzt“, erzählt der Pfarrer. „Der war gleich Feuer und Flamme. Er sogar gefragt, was er anziehen soll und sich dann richtig schick gemacht, mit schwarzem Anzug und Zylinder.“ Auf diese Weise kamen vier prachtvolle Oldtimer zusammen, samt Fahrern, die ihre Aufgabe alle ehrenamtlich übernahmen.
Die Jugendlichen wussten nur, dass sie zuhause abgeholt würden. Als dann eines der alten Autos samt Fahrer vorfuhr, war die Überraschung groß. Mit dem Ehrengast ging es hupend durch die Straßen Hattingens zur Kirche. Dort warteten bereits Pfarrer Frank Bottenberg und Jugendreferent Julien Middelmann, um mit der Konfirmandin oder dem Konfirmanden unter rauschender Orgelmusik über den roten Teppich in die Kirche einzuziehen. „Das war eine Mischung aus Hochzeit und Hollywood“, sagt Bottenberg. „Auf jeden Fall ein Gänsehautmoment!“
Die Liturgie selbst wurde kurz gehalten: Ein paar Sätze zur gemeinsamen Konfi-Zeit, der Konfirmationsspruch und eine kurze Ansprache. „Das war für mich etwas Besonderes, weil ich ganz persönlich und unmittelbar werden konnte“, so der Pfarrer. „Sonst muss ich in einer Konfirmationspredigt immer an alle denken, die da sitzen – das wird dann viel allgemeiner.“
Den Segen erteilten Bottenberg und Middelmann gemeinsam: Einer sprach die Worte, der andere hielt die Hände über den Kopf der Knieenden. „Auch ohne die direkte Berührung war das sehr dicht und stimmig“, erzählt Bottenberg. Für die Konfirmandinnen und Konfirmanden endete ihr Gottesdienst mit einem Konfetti-Regen der Teamer. Für die Heimfahrt durften sie dann unter den vier alten Autos wählen, die repräsentativ vor dem Kirchenportal aufgefahren waren.
Pfarrer Frank Bottenberg ist überzeugt davon, dass seine Form der Corona-Konfirmation eine gute Sache war – „im Nachhinein mehr noch als vorher“, sagt er. Auch wenn die Gemeinschaft der Konfigruppe fehlte, war die Einsegnung samt rotem Teppich und Chauffeur in seinen Augen „ein Baustein, der jetzt, wo fast alles andere nicht geht, gut tut“, sagt er. Und den gemeinsamen Abschluss holen sie nach – sobald das wieder möglich ist.
