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Ein Feiertag zum Bäumepflanzen in Kenia

Ganz Kenia hat am 13. November frei – und soll 100 Millionen Bäume pflanzen. Die Aktion ist aber nicht nur der Liebe der Regierung zur Natur geschuldet.

Ganz Kenia hat am 13. November frei - und soll 100 Millionen Bäume pflanzen
Ganz Kenia hat am 13. November frei - und soll 100 Millionen Bäume pflanzenepd-bild/ Birte Mensing

Matsch klebt an den Schuhen, die grauen Wolken hängen tief in der kenianischen Hauptstadt Nairobi. Seit dem frühen Morgen hat es an diesem Montag geregnet. Doch die 100 Menschen, die sich im Stadtteil Lang’ata eingefunden haben, um Bäume zu pflanzen, lassen sich davon nicht abschrecken. Die Regierung hat vergangene Woche den 13. November für das ganze Land zum „Bäume-Pflanz-Tag“ erklärt und zum Feiertag erkoren. 100 Millionen Bäume sollen an diesem Tag gepflanzt werden, erklärte Präsident William Ruto.

Die Gruppe, die sich in Lang’ata die Hände schmutzig macht, ist bunt gemischt. Der lokale Verwaltungschef in Uniform, ein Team von der Straßenbehörde in Warnwesten, ein Team von der Stadt, eine Abordnung von der Koranschule in traditioneller Kleidung, Mitarbeitende einer Bank in einheitlichen T-Shirts. Dazu Anwohner allen Alters, praktisch gekleidet. 3.400 Bäume wollen sie entlang der Mittel- und Seitenstreifen der Straße pflanzen.

Afrikanischer Ölbaum und afrikanischer Tulpenbaum

Die Löcher sind schon ausgehoben, die Setzlinge zehn verschiedener Arten stehen daneben – etwa vom afrikanischen Ölbaum und dem afrikanischen Tulpenbaum, der irgendwann hoffentlich einmal leuchtend rot blühen wird. Bei der Begrüßung erklärt ein Vertreter der Waldbehörde, worauf man achten muss, beim Pflanzen: Vorsichtig mit den Wurzeln sein, dem Baum ein bisschen Liebe und Segen mitgeben, damit er es schafft. Und am besten immer mal wiederkommen, vor allem in der Trockenzeit. „Lasst uns die Bäume gemeinsam schützen“, mahnt der Mann in Uniform.

Das kollektive Bäumepflanzen hat in Kenia eine lange Geschichte. Die Professorin, Aktivistin und Politikerin Wangari Maathai, die 2004 für ihr Engagement den Friedensnobelpreis erhielt, wurde auch „Mama Miti“ genannt – Mutter der Bäume. Sie zog mit ihrem „Green Belt Movement“ ein System auf, in dem Frauen Baumsetzlinge ziehen und dann pflanzen und pflegen – und für jeden überlebenden Baum ein paar Cent bekommen.

Feiertag nicht nur aus Liebe zur Umwelt

Dass es jetzt einen eigenen landesweiten Feiertag fürs Bäumepflanzen gibt, ist wohl nicht nur der Liebe zur Umwelt geschuldet. Nur mit einer Woche Vorlauf wurde der neue Feiertag eingeführt, einen Tag später bekam Kenia vom Internationalen Währungsfonds den ersten Teil eines neuen Kredits. Bedingung für die Kredite ist unter anderem, dass die Regierung in ihren Programmen Maßnahmen gegen den Klimawandel ergreift, berichtet das Nachrichtenportal „Nairobi News“.

Matsch klebt an den Schuhen, doch die 100 Menschen, die sich im Stadtteil Lang‘ata eingefunden haben, um Bäume zu pflanzen, lassen sich davon nicht abschrecken
Matsch klebt an den Schuhen, doch die 100 Menschen, die sich im Stadtteil Lang‘ata eingefunden haben, um Bäume zu pflanzen, lassen sich davon nicht abschreckenepd-bild/ Birte Mensing

Anfang des Jahres rief Präsident Ruto eine nationale Initiative zum Bäumepflanzen aus. 15 Milliarden Bäume sollen bis 2032 gesetzt werden, damit wieder mehr Fläche bewaldet ist – aktuell sind es etwa fünf Prozent des Landes. Das kenianische Waldforschungsinstitut soll dafür künftig an 18 Stationen landesweit Setzlinge zur Verfügung stellen. In der neuen App der Regierung „Jaza Miti“ sollen alle gepflanzten Bäume registriert werden.

Um aber tatsächlich im ganzen Land Bäume zu pflanzen, ist eine Woche Vorlauf zu kurz. 100 Millionen Setzlinge wachsen nicht über Nacht – und nicht überall gibt es Land, wo Platz ist für die Bäume, vor allem in den Städten. So nutzt ein Großteil der Bevölkerung den Tag entweder für einen Ausflug oder um ihn zu Hause zu verbringen.

Bäume pflanzen für die nächste Generation

Janet allerdings hat sich der Gruppe in Lang’ata angeschlossen und pflanzt gleich ihren 51. Baum. 50 hat sie heute schon in die Erde gesetzt und den Boden rundherum sorgfältig wieder aufgefüllt und festgeklopft. An ihren Händen klebt die lehmige Erde. Als sie vor 40 Jahren in die Gegend zog, so erzählt sie, war das Klima noch ein anderes. Dort, wo heute der Friedhof ist, war ein kleiner Wald. Es wurde selten so heiß wie heutzutage. Sie pflanzt die Bäume für die nächsten Generationen, sagt sie.

Zur nächsten Generation gehört Maxine, sie ist Anfang 20. Das letzte Mal Bäume gepflanzt habe sie, als sie noch in der Schule war, erzählt sie. Jetzt ist sie hier, weil sie hofft, dass es dem Land guttut, wenn es mehr Bäume gibt. Und dass die Bäume für mehr Regen sorgen, das Wasser im Boden binden und helfen, die Wasserprobleme im Land zu mildern.

Der Tag ist eine Erinnerung daran, dass Bäume wichtig sind für die Umwelt und das Klima. Er zeigt aber auch, dass auf Schnellschüsse nachhaltige Strategien folgen müssen. Denn wenn die gepflanzten Bäume nicht versorgt werden und wachsen können, dann bringt der „National Tree Planting Day“ keine langfristige Veränderung.