Eine Brücke zu den Angehörigen

Nordkirche bringt Tablets für Videotelefonie in Altenheime
Eine Brücke zu den Angehörigen
"Hallo! Wie geht's?" Mit Tablets können Heimbewohner den Kontakt zu Angehörigen halten - Waltraud Grubitzsch
Hamburg. Derzeit rüstet die Nordkirche ihre Seelsorger in Kliniken und Pflegeheimen mit Tablets aus. Die ersten Geräte sind verteilt, mit denen sie auch bei Besuchsverboten per Video­anruf Brücken schlagen können zwischen Patienten oder Heimbewohnern und ihren Angehörigen und Freunden außerhalb. Die Idee dazu entstand vor einem Jahr, berichtet Kerstin Lammer, Leitende Pastorin des Hauptbereichs Seelsorge und gesellschaftlicher Dialog der Nordkirche, die das Projekt initiiert hat. „Stellen Sie sich vor, Ihr hochbetagter Vater liegt im Krankenhaus. Sie wissen nicht, ob er die Infektion überleben wird, und dürfen ihn nicht besuchen. Mit unserem Angebot ‚Augenkontakt. Isolation überbrücken‘ möchten wir ermöglichen, dass Schwerkranke und Heimbewohnerinnen wenigstens auf einem ausreichend großen Tablet-Bildschirm ihre liebsten Menschen sehen und sprechen können“, so die habilitierte Seelsorgespezialistin.

Seelische Isolation

Den Anstoß zu dieser Aktion, erzählt Kerstin Lammer, war ein Schreiben aus dem Ministerium für Inneres und Justiz in Schleswig-Holstein, das sie Mitte März 2020 erhielt: Ab sofort könne pandemiebedingt jeweils nur noch ein Seelsorger Zutritt zu einer Einrichtung bekommen, gleich welcher Konfession. Doch selbst damit hätten sich die Einrichtungen, auch diakonische, schwergetan. Um die seelische Isolation gerade von schwerkranken Patienten und hochbetagten Heimbewohnern aufzubrechen, die nicht selbst telefonieren können, wurde die Idee mit den Videoanrufen geboren. Ein erster Schritt dazu war, dass Seelsorger nicht mehr als Besucher, sondern als Personal gerechnet werden. Denn sie, der Schweigepflicht unterworfen, werden nun mit Tablets ausgerüstet, um Vermittler der Videokontakte in die Außenwelt zu sein. Wie Lammer betont, sind die komplizierten Fragen rund um den Einsatz von Tablets im Vorfeld geklärt worden. „Die nun gefundene Lösung ist kostengünstig, technisch leicht handhabbar, datenschutzsicher, hygienisch unbedenklich und stört die Elektronik in den Einrichtungen nicht.“ Eine sichere Serverlösung steht zunächst bis Ende Februar 2022 zur Verfügung. Das Angebot, Anleitung und Server zu nutzen, richtet sich an alle Klinik- und Heimseelsorger in der EKD. Nicht mehr benötigte Tablets werden für das Projekt gern entgegengenommen.
Timo.TeggatzT
Ein Beitrag von:

Timo.Teggatz

Schrieb schon als Schüler für die Lokalzeitung über Kaninchenzüchter und mehr, während des Politik-Studiums in Kiel als rasender Sportreporter im Einsatz. Volontariat beim Schleswig-Holsteinischen-Zeitungsverlag, danach acht Jahre als Redakteur für eine Touristikzeitschrift in der Weltgeschichte unterwegs. Seit Juli 2014 bei der Evangelischen Zeitung – seit dem Start von evangelische-zeitung.de für online zuständig.

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