Beim Ulmer Ostermarsch hat der Theologe Eugen Drewermann (84) eindringlich vor Aufrüstung und einer angestrebten „Kriegstüchtigkeit“ gewarnt. Denn durch Gewalt und dem Schüren von Angst sei kein Frieden möglich, sagte Drewermann, der vor allem als Kirchenkritiker breite Beachtung gefunden hatte, am Samstag vor rund 500 Teilnehmern der Kundgebung zum Ostermarsch auf dem Ulmer Marktplatz. Kriege könnten vermieden werden, wenn vorher die Gründe für einen militärischen Konflikt gesehen würden.
Als Beispiel nannte Drewermann den Ukrainekrieg, der wesentlich auf die Erweiterung der NATO in Richtung Osten zurückzuführen sei. Durch die politische Wende 1989 und den Rückzug der Sowjetunion aus dem Baltikum und anderen europäischen Staaten hätte hingegen die Chance für eine „Abrüstung vom Ural bis zum Atlantik“ bestanden, der Friede habe „fertig auf dem Tisch“ gelegen.
Durch den politischen Kurs von Bundeskanzler Scholz (SPD) hin zu Kriegstüchtigkeit und Militarisierung sei die „Friedensbotschaft dämonisiert“ worden, sagte Drewermann. Gegen diese neue Priorisierung von Wehrfähigkeit und Rüstung, wie sie etwa in der Werbung für das Militär auf Straßen und in Schulen zum Ausdruck komme, müsse eine neue Entspannungspolitik gesetzt werden, forderte der Theologe.
Das militärische Denken, in dem alles möglich sei, was im Zivilleben verboten sei, führe durch das „militärische Drillsystem“ zu einer gewollten „Entpersönlichung“, sagte Drewermann. Wenn sich aber Menschen als Individuen in die Augen schauten, könnten sie nicht aufeinander schießen. Deshalb sei der ausschließliche Weg zu einem echten Frieden, dem anderen Menschen in die Augen zu sehen, seine Ängste zu verstehen, die Gründe dafür abzuarbeiten und schließlich das „Böse zu überlieben“.
Der Ulmer Ostermarsch und die Schlusskundgebung wurden von 14 Organisationen getragen, darunter die Deutsche Friedensgesellschaft, Pax Christi, die GEW, die Ulmer Ärzteinitiative IPPN und der Verein für Friedensarbeit Ulm. Bei der Schlusskundgebung waren alle Organisationen und Einzelteilnehmer dem Aufruf der Veranstalter gefolgt, auf „Nationalfahnen und Parteiwerbung“ zu verzichten. Deshalb waren nur Fahnen mit dem Regenbogen und der Friedenstaube oder Plakate zu sehen, die für Abrüstung und NATO-Austritt warben, aber beispielsweise keine palästinensischen, russischen oder ukrainischen Flaggen. (0917/19.04.2025)