Es sind Kinder im Grundschulalter, die Bewaffnete im Nordwesten Nigerias verschleppt haben. Doch der Überfall auf ein Internat ist nur eins von mehreren Verbrechen. Das Land erlebt eine neue Welle der Grausamkeiten.
Die katholische Diözese Kontagora im Nordwesten Nigerias hat die Namen der 265 am Freitag verschleppten Schüler und Mitarbeiter der katholischen St. Mary’s School in Papiri veröffentlicht. Das berichtete die Online-Zeitung “Premium Times” am Dienstag. Am frühen Freitagmorgen waren Bewaffnete in das Internat eingedrungen und hatten zunächst 303 Menschen entführt.
Einigen Schülern war anschließend die Flucht gelungen. Bulus Yohanna, Ortsbischof und Vorsitzender des Dachverbands der christlichen Kirchen (CAN) im Bundesstaat Niger, erklärte jedoch, dass zunächst nicht alle Geflohenen zum Schulgelände zurückkehren konnten.
Die Entführung in Papiri war allerdings nur eine von mehreren in Afrikas einwohnerreichstem Staat in den vergangenen neun Tagen. Nach Angaben des Menschenrechtsbüros der Vereinten Nationen vom Dienstag wurden seit dem 17. November alleine in den vier Bundesstaaten Niger, Kebbi, Kwara und Borno mindestens 402 Menschen entführt. Demnach konnten bisher nur 88 befreit werden oder fliehen.
Sprecher Thameen Al-Kheetan appellierte in Genf an die nigerianischen Behörden, die sichere Rückkehr aller noch in Gefangenschaft befindlichen Personen zu ihren Familien zu gewährleisten und weitere Entführungen zu verhindern. Es brauche unverzüglich unparteiische und wirksame Ermittlungen zu den Entführungen. Auch müssten die Verantwortlichen vor Gericht gebracht werden.
Zuvor hatte Nigerias Regierung betont, im Kampf gegen Terrorismus und Kriminalität auf den Einsatz von privaten Militär- und Sicherheitsfirmen verzichten zu wollen. Dies untergrabe die Souveränität und erschwere die Terrorismusbekämpfung auf dem gesamten Kontinent. In einer Reihe afrikanischer Staaten, etwa Mali und der Zentralafrikanischen Republik, sind hingegen beispielsweise Söldner des russischen Afrikacorps, früher Wagner, im Einsatz. Experten sprechen von teilweise schweren Menschenrechtsverletzungen durch die Kämpfer.
Zu Massenentführungen kommt es in Nigeria seit knapp 15 Jahren. Vor allem von 2013 bis 2015 war im Nordosten des Landes meist die islamistische Terrorgruppe Boko Haram verantwortlich. Weltweit für Schlagzeilen sorgten die Ereignisse von Chibok im April 2014, als 276 Schülerinnen verschleppt wurden. In den vergangenen Jahren werden mit Entführungen zumeist Lösegelder erpresst. Sie haben keinen ideologischen Hintergrund.