Die unsterbliche Königin – Luise von Preußen

Als preußische Königin war Luise beliebt, ihr früher Tod machte sie zum Mythos. Die Hoch-Zeiten des Luisenkults sind vorbei, doch zum 250. Geburtstag am 10. März lebt die Erinnerung auf.
Die unsterbliche Königin – Luise von Preußen
Die Prinzessinnengruppe: Standbild der Kronprinzessin Luise und ihrer Schwester Prinzessin Friederike in der Friedrichswerderschen Kirche in Berlin von Bildhauer Johann Gottfried Schadow (1795-1797)
akg-images / Matthias Lüdecke

Die Schöne und der Tyrann: Eine Begegnung zwischen Luise von Preußen (1776-1810) und Napoleon ist vielleicht eine der am meisten erzählten Szenen aus dem Leben der beliebten preußischen Königin. Der Mythos rund um Luise ist auf engste verwoben mit der Entstehung eines deutschen Nationalbewusstseins zu Beginn des 19. Jahrhunderts und wurde nach ihrem Tod immer wieder auch instrumentalisiert, um antifranzösische Ressentiments zu schüren.

Luise wurde am 10. März vor 250 Jahren in Hannover geboren, in einem Stadtpalais gegenüber dem Leineschloss, das heute den niedersächsischen Landtag beherbergt. Ihr Vater, der spätere Herzog Karl II. von Mecklenburg-Strelitz, stand als Gouverneur von Hannover in Diensten des hannoverschen Kurfürsten und englischen Königs Georg III. Die Mutter, Prinzessin Friederike, entstammte dem großherzoglichen Haus Hessen-Darmstadt.

Eine glückliche Kindheit

Luises Kindheit wird von Historikern als glücklich beschrieben - trotz unruhiger Zeiten: In ihrem Geburtsjahr tobte in Nordamerika der Unabhängigkeitskrieg, den Georg III. verlor. 1789 begann die Französische Revolution. Die Mutter starb früh, ab dem zehnten Lebensjahr wuchs Luise bei der Großmutter in Darmstadt auf.

1793 heiratete die 17-Jährige den preußischen Kronprinzen, der 1797 als Friedrich-Wilhelm III. an die Regierung kam. Die Prinzessin faszinierte durch ihre Schönheit und ihre fröhliche, natürliche Art - ein Eindruck, der in dutzenden Kunstwerken festgehalten wurde, etwa in Johann Gottfried Schadows Doppelstandbild von Luise und ihrer Schwester Friederike (1797) in der Alten Nationalgalerie in Berlin.

Nofretete der Nationalgalerie

„Die Prinzessinnengruppe ist die Nofretete der Nationalgalerie, wenn Sie so wollen“, schwärmt der ehemalige Leiter des Museums, Philipp Demandt, der ein Buch über den Luisenkult geschrieben hat. Heute leitet der Kunsthistoriker das Städel-Museum in Frankfurt am Main. Luise stehe für das schöne und weltzugewandte Preußen des Frühklassizismus und des Humanismus - an das man sich „relativ vorbehaltlos, gerne und ohne Beipackzettel“ erinnern könne.

Nach der Thronbesteigung erklärte der Frühromantiker Novalis das königliche Haus zum Idealbild der bürgerlichen Familie und Luise zur Landesmutter. Indem sich das Volk in diesem Bild wiedererkenne, werde „echter Patriotismus“ möglich. Der Grundstein für die Luisenlegende war gelegt.

Korrektiv für den Kaiser

Luise prägte das Bild des modernen und volksnahen Königspaares selbst mit. Die Ehe galt als glücklich. Ihre Kinder erzog sie selbst, was damals im Hochadel noch nicht üblich war. In 17 Ehejahren gebar sie zehn Kinder, von denen drei früh starben. Zwei bestiegen ihrerseits den Thron: Friedrich-Wilhelm IV. und der erste deutsche Kaiser Wilhelm I. Als interne politische Beraterin ihres Mannes wurde Luise in Regierungskreisen als wichtiges Korrektiv zu dem oft passiven und zögerlichen König wahrgenommen.

Nach Preußens Niederlage gegen Frankreich bei Jena und Auerstedt im Oktober 1806 floh das Paar von Berlin nach Ostpreußen. Am 6. Juli 1807 kam es in Tilsit zu jener legendären Unterredung mit dem französischen Kaiser Napoleon I. Konkretes erreichte Luise nicht. Der drei Tage später unterzeichnete Diktatfrieden bewahrte Preußen immerhin vor der völligen Auflösung.

Zum Mythos stilisiert

Nach einem Besuch bei Vater und Großmutter in Mecklenburg erkrankte Luise an einer Lungenentzündung, womöglich eine Spätfolge der Flucht. Sie starb mit 34 Jahren am 19. Juli 1810 im mecklenburgischen Hohenzieritz.

Das Bürgertum und das Königshaus stilisierten sie nach ihrem Tod als Opfer französischer Aggression, als preußische Märtyrerin. „Die gesellschaftliche Bereitschaft war da, ihren Tod so zu verstehen. So entstand ein Mythos“, erläutert Demandt. Die Lebendigkeit von Mythen erweise sich darin, dass sie sich wie von selbst mit anderen Mythen verbänden, so im Luisengrabmal im Mausoleum Charlottenburg: Die Sarkophag-Plastik von Daniel Christian Rauch (1814) zeige sie als schlafende Schönheit und lasse unwillkürlich an das Märchen von Dornröschen denken.

Feministinnen kritisieren problematisches Frauenbild

Die Leiterin des LWL-Preußenmuseums im westfälischen Minden, Sylvia Necker, findet die Übermacht der lieblichen Luisenbilder problematisch: „Noch heute werden Frauen in Führungspositionen nach ihrem Äußeren beurteilt.“ In einer Sonderausstellung will das Museum 2027 nach der Person hinter den Bildern fragen. Das 19. Jahrhundert habe ein biedermeierliches Luisenbild zementiert, das die Königin und mit ihr Frauen insgesamt in die häusliche Sphäre verbanne, gibt die Historikerin zu bedenken.

Feministinnen brachten ihr Unbehagen über das traditionelle Luisenbild zum Ausdruck, als sie 2022 in Hannover eine Kopie der Prinzessinnengruppe beschmierten. Politisch instrumentalisiert und ideologisch vereinnahmt wurde Luise von Anfang an, wie Demandt darlegt - oft auch im Sinne nationalistischer und antifranzösischer Propaganda.

Seit 1945 ist es still um sie geworden. Zuletzt fachte die Preußenrenaissance der 1980er und 1990er Jahre das Interesse an. Anlässlich ihres 250. Geburtstags wird, wenn nicht gefeiert, so doch erinnert. An vielen einstigen Wohnsitzen Luises finden Sonderführungen und Vorträge statt, so in den Schlössern in Darmstadt, Hohenzieritz, Charlottenburg und in Paretz an der Havel. Das Geheime Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz präsentiert am 10. März Luisen-Archivalien, darunter Briefe und persönliche Gegenstände. Das Bundesfinanzministerium gibt zudem eine Sonderbriefmarke heraus.

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