Vor 40 Jahren, am 8. Dezember 1985, ging die „Lindenstraße“ auf Sendung. Als sie nach 1.758 Folgen endete, am 29. März 2020, war das der Hauptausgabe der „Tagesschau“ eine Meldung wert. Drei Randnotizen zur Kultserie:
Bei der „Lindenstraße“ war Annemarie Wendl (gestorben 2006) als Hausmeistergattin und nörgelnder Hausdrachen Else Kling einer der großen Stars. In der ersten Folge, vor 40 Jahren, mokiert sich Else in schönstem Bayerisch über das unverheiratete Paar Sigi Kronmayr und Elfie Hoffmann, das neu ins Haus Lindenstraße Nummer 3 einzieht. „Wer soll denn amoi unsre Renten zahlen, wenn’s alle bloß solche Schrägstrich-Ehen führ'n wie die Zwei da! Statt dass s' ordentlich heiraten und Kinder in d'Welt setzen, so wie sich das g’hört.“ Übrigens schaute die Else Kling der „Lindenstraße“, wie sie immer mal wieder betonte, auch selbst stets am frühen Sonntagabend „ihre“ Serie („mei Serie“).
Dass „Lindenstraßen“-Erfinder Hans W. Geißendörfer - Sohn eines evangelischen Pfarrers und mit seinem Film „Die gläserne Zelle“ für den Oscar nominiert - mit seiner Serie neben der unterhaltenden auch eine pädagogische Intention verfolgte, sollte womöglich gleich in der ersten Folge augenzwinkernd angedeutet werden: Gegen Ende der Folge zeigt ein langsamer Kameraschwenk, dass im Schlafzimmer des Protagonisten-Ehepaars Hans und Helga Beimer auf einem der Nachttische zwei Fachbücher liegen: Edeltrud Meistermann-Seegers Standardwerk „Gestörte Familien“ über Familientherapie und das „Handbuch für die Jugendhilfe“ von Karl-Wilhelm Jans und Günter Happe. Hans Beimer war von Beruf Sozialarbeiter beim Münchner Jugendamt.
Eine schöne Deutung des Erfolgs der „Lindenstraße“ nach gut 300 Folgen lieferte seinerzeit die Schauspielerin Marianne Rogée, in der Serie Isolde Pavarotti: „Früher konnten nur Könige und Bischöfe sich für teures Geld von Malern porträtieren lassen. Heute ist die 'Lindenstraße' das Gemälde, in dem sich die kleinen Leute wiedererkennen.“ (3736/27.11.2025)