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Die Bibel lesen

Woche vom 26. April bis 2. Mai

Sonntag:    Psalm 136
Montag:     1. Petrus 1, 22-25
Dienstag:     1. Petrus 2, 1-10
Mittwoch:     1. Petrus 2, 11-17
Donnerstag:     1. Petrus 2, 18-25
Freitag:     1. Petrus 3, 1-7
Samstag:     1. Petrus 3, 8-12

Verhalten sich Christen anders? Der 1. Petrusbrief geht in seinem zweiten und dritten Kapitel auf diese Frage ein. Christen legen alles ab, was als „fleischliche Begierden“ (2,11) bezeichnet wird; sie verzichten darauf, durch Täuschung den eigenen Vorteil durchzusetzen (3,10). Auch Neid und üble Nachrede legen sie ab (2,1/3,10). Stattdessen zeichnet sie Mitleid, Barmherzigkeit und Gewaltlosigkeit ebenso aus (3,8), wie die Bereitschaft zum Segnen und zum Leiden. Besonders das Leiden kann ein Zeugnis für den Glauben sein. Denn durch sein Leiden ist Christus zum Vorbild geworden für alle, die ihm nachfolgen (2,21-25).

Christen soll man abspüren, dass sie ihre Mitmenschen respektieren(2,17). Dazu gehört auch der römische Kaiser. Man soll seine Regeln freiwillig (2,16) befolgen, solange er seine Funktion erfüllt, die ihm Gott der Herr (2,13) zugeteilt hat. Denn als ein Werkzeug Gottes sorgt er für ein geordnetes Leben und für die Einhaltung des Rechtes (2,14). Entsprechend sollen sich auch die Sklaven ihren Herren unterordnen und die Frauen ihren Männern, so wie es in der damaligen römischen Gesellschaft üblich war (3,1). Aber diese Unterordnung soll freiwillig geschehen. Sie hat das Ziel, die Nichtchristen durch den überzeugenden Lebenswandel der Christen für Gott zu gewinnen (3,1).

Grundsätzlich gelten die Regeln der Unterordnung in der christlichen Gemeinde nicht mehr. Hier ist der Umgang durch Geschwisterliebe, Mitgefühl und gleichgestimmtes Denken bestimmt (3,8). Diese Gleichberechtigung wird besonders an der bemerkenswerten Umdeutung der „Priesterschaft“ und des „Tempels“ deutlich, wie sie dieser Brief vornimmt: Im römischen Reich sind Priesterinnen und Priester eine besonders herausgehobene Personengruppe, die den Göttern näher ist als die anderen Menschen.

Im ersten Petrusbrief ist das nicht so! Alle, die zur Gemeinde Jesu Christi gehören, sind gleichwertige (!) Priesterinnen und Priester (2,5.9). Im römischen Reich sind die aus Steinen gebauten Tempel heilige Orte, an denen man den Göttern begegnen kann. Im ersten Petrusbrief ist das nicht so! Wer zur Gemeinde Christi gehört, ist selbst ein lebendiger Stein (2,6) des Hauses, in dem der Gott Israels gegenwärtig ist. Der Grundstein dieses Tempels ist der lebendige Christus, den schon der Prophet Jesaja und der Psalm 118,22 beschrieben haben. Es ist auffällig, wie oft der erste Petrusbrief aus der Schrift zitiert, um die Heiden, die Christen geworden sind (2,10), in den jüdischen Schriften zu schulen.