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Die Bibel lesen

Woche vom 5. bis 11. April

Sonntag:    Psalm 88
Montag:     Markus 14, 53-65
Dienstag:     Markus 14, 66-72
Mittwoch:     Markus 15, 1-15
Donnerstag:     Markus 15, 16-23
Freitag:     Markus 15, 24-41
Samstag:     Markus 15, 42-47

Der Plan der Hohepriester, Jesus zu überlisten, zu ergreifen und zu töten (Markus 14,2), scheint gelungen. Judas hat Jesus ausgeliefert, Jesus wird vor dem Hohen Rat angeklagt und ein Prozess mit falschen Zeugen abgehalten. Er wird vor den römischen Statthalter Pontius Pilatus geführt, damit dieser ihn zum Tode verurteilt.

Mehrfach wird Jesus im Laufe des Geschehens gefragt, wer er sei. Ist er der Christus (14,61)? Ist er der König der Juden (15,2)? Jesus stellt eine Gefahr für den Status quo dar: Als Christus für die religiöse und als König der Juden für die politische Ordnung. Für genau diese Fragen bricht er sein Schweigen. Jesus bejaht die Fragen und akzeptiert damit das von Gott für ihn gewählte Schicksal. Er wird als Aufständischer behandelt und als solcher zum Kreuzestod verurteilt. Der Spott, den die Menschen Jesus entgegenbringen, strotzt vor Verachtung. Sein Schicksal ist unabwendbar.

Jesus wird gekreuzigt. Und der Spott endet nicht: „Ha, der du den Tempel abbrichst und baust ihn auf in drei Tagen, hilf dir nun selbst und steig herab vom Kreuz!“ (15,29) Sie verstehen nicht, dass das Kreuzesgeschehen bereits Teil des Niederreißens des Tempels ist – des Leibes Jesu. Nach seiner Zerstörung wird der innerhalb von drei Tagen aufgebaut, als Christus auferweckt.

Jesus betet: „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“ (15,34) Diese Worte mögen auf den ersten Blick auf ein absolutes Gefühl der Gott-Verlassenheit Jesu verweisen. Doch die Worte entstammen Psalm 22 und drücken zugleich sein tiefes Gott-Vertrauen aus: „Zu dir schrien sie und wurden errettet, sie hofften auf dich und wurden nicht zuschanden“ (Psalm 22,6).

Mit lautem Schrei haucht Jesus seinen Geist aus. Er stirbt. Der Tempel des Leibes ist zerstört. Der Tempelvorhang im Jerusalemer Tempel zerrissen. Das Heiligste allen Menschen offenbart.

Jesus wird begraben, sein Grab mit einem schweren Stein verschlossen. Und doch ist der Weg frei, als die drei Frauen zum Grab kommen, um den Leichnam zu salben. Ein himmlischer Bote teilt ihnen mit, dass Jesus auferweckt worden und auf dem Weg nach Galiläa sei – dorthin, wo sein Wirken im Markusevangelium begann. Anfang und Ende werden verwoben. Nur wer das Wirken Jesu von Anfang an aufmerksam verfolgt, kann auch sein Ende verstehen. Wer das Evangelium immer wieder mitdenkend liest, wird nicht vor Angst fliehen, sondern zum Boten der guten Nachricht von der Überwindung des Todes werden.

Dominic Blauth ist Wissenschaftlicher Mitarbeiter im Fachbereich Evangelische Theologie/Neues Testament und Geschichte der Alten Kirche an der Goethe-Universität Frankfurt a.M.