Sonntag: Psalm 129
Montag: Markus 11, 27-33
Dienstag: Markus 12, 1-12
Mittwoch: Markus 12, 13-17
Donnerstag: Markus 12, 18-27
Freitag: Markus 12, 28-34
Samstag: Markus 12, 35-37
Macht, Ohnmacht, Vollmacht – in den Gesprächen in Markus 11 und 12 soll einiges geklärt werden, versucht Jesus, Unklares klarzustellen. Es sind im Wortsinn vorletzte Fragen, die nach der letzten Leidensankündigung gestellt werden – noch ehe das Markusevangelium im 13. Kapitel das Ende der ganzen Welt, und dann im 14. und 15. Kapitel das Ende des irdischen Jesus in den Blick nimmt.
Jesus redet und handelt mit Vollmacht, doch Markus lässt Einzelpersonen und Gruppen auftreten, die genau davon nichts merken. Der Abschnitt zur Bibellese beginnt mit einem Rededuell und es folgen weitere. Jesus beantwortet die Frage der Hohepriester, Schriftgelehrten und Ältesten im Tempel nicht unmittelbar. Er steht nicht Rede und Antwort, sondern knüpft seine Antwort an Bedingungen: Ich will euch eine Sache fragen; antwortet mir, so will ich euch sagen, aus welcher Vollmacht ich das tue. Und die so Herausgeforderten überlegen sich gut, wie sie nun geschickt antworten können. Beide Optionen, die ihnen in den Sinn kommen, werden verworfen. Und schließlich entscheiden sie sich ohnmächtig dafür, gar keine Antwort zu geben: Wir wissen es nicht. Und auch Jesus zieht seine Konsequenzen und gibt keine Antwort: So sage ich euch auch nicht, aus welcher Vollmacht ich das tue. Das erste Rededuell endet mit einem Patt: Ich antworte nicht, weil ihr nicht antwortet.
Und Jesus erzählt ein Gleichnis, das direkt sein Gegenüber im Blick hat. Die Anderen verstehen nicht und verhalten sich so wie die Weingärtner, die die Gesandten vertreiben und den Erben aus Angst vor Ohnmacht sogar töten. Die Anderen fragen ihn, sie fordern ihn heraus und Jesus antwortet mit bekannten Worten: Sollen wir Steuern zahlen? Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist, und Gott, was Gottes ist! Wie wird das ganz genau sein im Himmel? Gott ist nicht ein Gott der Toten, sondern der Lebenden. Was ist nun das wichtigste Gebot? Höre, Israel, der Herr, unser Gott, ist der Herr allein, und du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele, von ganzem Gemüt und mit all deiner Kraft. Das andre ist dies: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst. Es ist kein anderes Gebot größer als dieses.
Am Ende des Bibellese-Abschnitts ändert sich dann die Perspektive, es stehen sich nicht mehr Jesus und die Hohenpriester, Schriftgelehrten und Ältesten gegenüber. Jesus redet jetzt mit der Menschenmenge jenseits der Vertreter der Macht in dieser Welt. Und diese Gruppe spürt etwas von der Vollmacht, mit der Jesus redet: Und die große Menge hörte ihn gern.
• Dr. Michael Schneider ist Leiter des Dekanats und Dozent für Neues Testament, Hymnologie und Liturgik am Fachbereich Evangelische Theologie der Universität Frankfurt am Main.