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Die Bibel lesen

28. Oktober bis 3. November

Sonntag:    Psalm 143
Montag:     Offenbarung 7,9-17
Dienstag:     Offenbarung 8,1-5
Mittwoch:     Offenbarung 8,6-13
Donnerstag:     Offenbarung 9,1-12
Freitag:     Offenbarung 9,13-21
Samstag:     Offenbarung 10,1-11

Nach der „Versiegelung“ (verbindlichen Beurkundung) der 144 Tausend folgt der Lobgesang der Vollendeten. 144 ist das Quadrat von 12 – ein Symbol für das alles umfassende Ganze und nicht im Sinne einer Auswahl der Erwählten oder Übriggebliebenen, wie das in der Vergangenheit immer wieder missverstanden wurde.
Dreimal wird die Endzeit prophezeit – dieselbe Endzeit, nicht drei verschiedene Phasen: im Gesamtüberblick in den sieben Siegelvisionen (6,1-8,1), andeutend und bruchstückhaft (8,2-14,20) und endgültig und ausführlich(15,1-22,5).

Eine typisch apokalyptische Aussage wird erkennbar. Alles in der drohenden Zukunft ist vorher von Gott festgelegt. Er ist auch in die Katastrophe am Werke! Dieser Determinismus geht davon aus, dass der Geschichtsplan Gottes in dem Buch mit den sieben Siegeln unabänderlich festgeschrieben ist und nach der Eröffnung des Buches unaufhaltsam abrollt, wie bei einem Film im Kino: Da liegt das Ende auch schon fest, wenn der Anfang eingelegt wird. Aber anders als etwa im Judentum ist hier ausschließlich Christus derjenige, der die Abläufe in Gang setzen kann.

Die Offenbarung ruft weniger zur Umkehr als vielmehr zum Durchhalten bei den Katastrophen, die nicht mehr aufzuhalten sind. Die apokalyptischen Bilder beschreiben die unmittelbar bevorstehende Situation also wie die bei einem Erdbeben oder bei dem Einsturz eines riesigen Gebäudes. Auch der Einzelne ist den unheilvollen Kräften hilflos ausgeliefert und kann sich nur ducken oder nach einem kleinen schützenden Raum Ausschau halten.

Sehr stark kommt in der Offenbarung ferner die Gegensätzlichkeit der Welt zum Ausdruck. Es gibt einen auffälligen Dualismus zwischen der alten und neuen Erde, dem alten Himmel und dem neuen, zwischen gut und böse, ja es gibt auch eine Gegenkraft zu Christus, den Satan, der zwar unterliegt, aber doch noch große Macht hat. Geschichtskatastrophen werden als Naturkatastrophen geschildert. Die politisch Handelnden haben dämonische Züge, die mächtiger sind als die Kraft des einzelnen Menschen.

Bis heute führt die Glaubensentscheidungen von Einzelnen, aber auch von Gemeinden, ja ganzen Kirchen immer in eine Auseinandersetzung zwischen Christus und dem Bösen, zwischen dem Reich Gottes und irdischer Weltmacht. Da ist die Offenbarung Trost und Stärkung. Alle Versuche, durch eine Entschlüsselung der Bilder, Daten oder Zahlen das Weltende auszurechnen, gehen am Sinn dieser Prophetie vorbei und entstellen die Absicht dieser Verkündigung. Sie sind Missbrauch der Bibel.