Sonntag: Psalm 38
Montag: Offenbarung 4, 1-11
Dienstag: Offenbarung 5, 1-5
Mittwoch: Offenbarung 5, 6-14
Donnerstag: Offenbarung 6, 1-8
Freitag: Offenbarung 6, 9-17
Samstag: Offenbarung 7, 1-8
„Kann man heute noch mit solchen Texten jemanden wachrütteln?“, fragte ein Leser und verwies dabei auf die Ungestörtheit, mit der die Menschen abends die täglichen Bilder aus Aleppo anschauen, oder aus Idlib oder den vielen anderen Orten, an denen heute Apokalypse geschieht. Damals lebten die meisten oft auch in einem eher ruhigen Alltag. Wie konnte man also vermitteln, was vielleicht einigen Christen oder Gemeinden gerade angetan wurde? Wie andere wachrütteln?
In dieser Woche folgt der Hauptinhalt des Buches. Das Zukünftige naht. Dabei bildet die Schilderung einer Theophanie, also einer Erscheinung Gottes, den Auftakt, wie sie auch etwa vom Propheten Elia berichtet wird. Bei aller Bilderpracht wird auch deutlich, dass der Mensch das Wesen Gottes nie voll ermessen kann, sondern nur in Annäherungen und Ahnungen und eben nur in Jesus Christus Zugang zu Gott erhält. Dann folgt in Kapitel 5 die „Öffnung des Buches mit den sieben Siegeln“. Bei dem Siegelbuch handelt es sich offensichtlich um „eine zweiteilige Urkunde, die in doppelter Ausfertigung geschrieben, einen rechtsgültig versiegelten Text und einen unversiegelten, jedermann zur Einsicht dargebotenen entsprechenden zweiten Text enthielt“ (G. Bornkamm).
Das „außen“ bezeichnet den unversiegelten, das „innen“ den versiegelten Teil der Urkunde. Die Vorgänge beim Öffnen der Urkunde muss man also unterscheiden von seinem eigentlichen Inhalt, der die Schauungen in 8,2-22,5 umfasst. In einer überaus bilderreichen Sprache wird vor den Lesern die Endzeit ausgebreitet, vielleicht nur vergleichbar mit einem Gemälde, in das der Maler viele bedeutungsschwere Einzelheiten, Symbole und vielsagende Farbkompositionen eingearbeitet hat, die seine Zeitgenossen sehr wohl verstanden. Die Schattenseite der viel beschworenen „pax Romana“ als einem im Verständnis der Herrscher weltumfassenden Friedensreich war für die meisten eine menschenverachtende und versklavende „Verwaltungsdiktatur“. Die Christen, an die sich jener geheimnisvolle Johannes wandte, wussten also sehr wohl, was gemeint war, wenn von der großen Hure Babylon die Rede war. Ohne Frage: Das war Rom!
Besser als heute wurde auch die Zahlensymbolik verstanden, wobei neben der Sieben für Ganzheit, Vollendung, aber auch Universum, noch die Drei, die Vier und die Zwölf vorkommen, alle mit einer typischen Bedeutungsgeschichte im Judentum.