Diakonie sieht den Sozialstaat unter Druck

Das Diakonische Werk Württemberg sieht den Sozialstaat in Gefahr. Auf seiner Jahrespressekonferenz am Mittwoch warnte der Verband in Stuttgart vor einer Aushöhlung sozialer Leistungen. Verhandlungen mit Kostenträgern seien wegen knapper Kassen schwierig geworden. Die Vorstandsvorsitzende Annette Noller sagte, eine stabile sozialstaatliche Vorsorge trage maßgeblich zu einer krisenfesten Gesellschaft bei. „Es hilft aber nicht weiter, wenn dem Sozialen Gold- oder Platin-Status unterstellt und Personengruppen diffamiert werden“, betonte sie.

Die Diakonie kritisierte, dass Menschen mit Behinderungen zunehmend als „Kostenfaktor“ bezeichnet würden. Tatsächlich lägen die Ausgaben für Menschen in besonderen Wohnformen in Baden-Württemberg mit rund 44.000 Euro pro Person unter dem Bundesdurchschnitt von etwa 48.400 Euro. Kostensteigerungen seien vor allem auf die Inflation und höhere Tarife zurückzuführen, nicht auf ausgeweitete Leistungen.

Die Nachfrage in den diakonischen Sozialberatungsstellen ist den Angaben zufolge enorm gestiegen. Im Jahr 2024 suchten über 12.000 Menschen Hilfe, darunter zunehmend auch Personen mit mittlerem Einkommen. Gleichzeitig sei die Zahl der Langzeitarbeitslosen im Land auf 92.000 angewachsen.

Dringender Reformbedarf bestehe in der Pflege. Die Diakonie fordert, die hohen Eigenanteile für Pflegebedürftige zu senken. Um dem Personalmangel zu begegnen, müssten die Anerkennungsverfahren für ausländische Pflegekräfte von derzeit bis zu 18 Monaten auf maximal drei Monate verkürzt werden. Erfreut zeigte sich die Diakonie darüber, dass die Landesregierung 50 Millionen Euro für Modernisierungen in der Sozialwirtschaft bereitstellen will. (0499/25.02.2026)

👋 Unser Social Media