Deutscher Bühnenverein solidarisiert sich mit Berlinale-Intendantin

In der Diskussion über die Zukunft der Internationalen Filmfestspiele Berlin setzt sich der Deutsche Bühnenverein für Intendantin Tricia Tuttle ein und warnt vor einer nachhaltigen Beschädigung der Kunstfreiheit. „Es ist fatal, dass die Zukunft von Tricia Tuttle an der Spitze der Berlinale überhaupt in Frage steht“, erklärte Vereinspräsident Carsten Brosda am Donnerstag in Köln. Unter ihrer souveränen Leitung hätten bei der Berlinale in diesem Jahr herausragende Filme im Mittelpunkt einer Welt voller Krisen gestanden. Das Festival sei deshalb auch ein Ort der Kontroverse gewesen.

Die am Wochenende zu Ende gegangene Berlinale steht wegen pro-palästinensischer und israelfeindlicher Solidaritätsbekundungen mit den Menschen in Gaza in der Kritik, in Medienberichten wurde über eine Ablösung von Intendantin Tuttle spekuliert. „Künste offerieren neue Perspektiven, sie rütteln auf und verstören, inspirieren und irritieren“, betonte Brosda. „Ein Festival ist immer ein Ort, an dem nicht nur ästhetische, sondern auch politische Fragen kontrovers debattiert werden.“ Das zu fördern, sei Ausdruck liberaler Gesellschaftsordnungen.

Der Bühnenvereins-Präsident verwies auf Tuttles Plädoyer für freie Meinungsäußerung zu Beginn des Festivals. „Es ist ein Problem, wenn der Eindruck entsteht, dass die Bundesrepublik Deutschland diese Freiheit nicht aushält“, sagte er. Freiheit schließe auch öffentlichen Widerspruch ein, „denn aus diesem Widerspruch entstehen Diskurs, Verständigung und Aufklärung“, erklärte Brosda. „Daran wachsen Demokratien.“

„Wenn Staat und Regierung diesen bisweilen anstrengenden Prozess nicht ertragen, beschädigen sie nicht nur nachhaltig die Kunstfreiheit, sondern auch den demokratischen Grundkonsens“, warnte Brosda. „Ich habe Sorge, dass genau das gerade passiert.“

Die Gespräche über die Ausrichtung der Berlinale sollen in den kommenden Tagen zwischen der Intendantin und dem Aufsichtsrat der zuständigen Kulturveranstaltungen des Bundes in Berlin GmbH (KBB) fortgesetzt werden, nachdem eine Krisensitzung am Donnerstag ohne konkrete Ergebnisse blieb. In Politik und Kultur wuchs zuletzt die Unterstützung für Tuttle. In einem offenen Brief sprachen sich mehr als 2.500 Filmschaffende gegen eine mögliche Abberufung der US-Amerikanerin Tuttle aus. Der Deutsche Kulturrat warnte vor einer Einschränkung der Kunst- und Meinungsfreiheit.

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