Die Kosten im Gesundheitswesen galoppieren davon. Politik und Experten fordern Einsparungen. Was gerade diskutiert wird.
Die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) steht finanziell mit dem Rücken zur Wand. Dabei finden sich die Deutschen bei den Gesundheitsausgaben - gemessen am Bruttosozialprodukt - an der Spitze der europäischen Länder. 2022 wendeten sie 12,6 Prozent des Bruttosozialprodukts für Gesundheit auf - während sie beim Gesundheitszustand nur Mittelmaß sind. Immer wieder gibt es Vorschläge, wie Ausgaben begrenzt oder Einnahmen erhöht werden können. Die Katholische Nachrichten-Agentur (KNA) gibt einen Überblick über häufig diskutierte Sparvorschläge.
2024 haben die Krankenkassen tiefrote Zahlen geschrieben. Das Defizit betrug 6,2 Milliarden Euro. Einnahmen von 320,6 Milliarden Euro standen Ausgaben von 326,8 Milliarden Euro gegenüber. Auch die Finanzreserven der Kassen lagen Ende 2024 unter dem gesetzlich vorgesehenen Mindestbetrag von 0,2 Monatsausgaben. Für 2026 wird das Defizit auf rund vier Milliarden Euro geschätzt. Aber die Bundesregierung hat ein Sparpaket von zwei Milliarden Euro beschlossen, um die finanzielle Lage zu stabilisieren.
Der aktuelle Beitragssatz zur Krankenversicherung liegt bei 14,6 Prozent. Darüber hinaus legen die Krankenkassen einen Zusatzbeitrag individuell fest. Durchschnittlich liegt er nach Angaben des Spitzenverbands GKV aktuell bei 2,9 Prozent. Insgesamt ist der durchschnittliche Beitragssatz in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) damit so hoch wie nie zuvor. Das belastet auch die Wirtschaft und die Arbeitgeber, die die Hälfte davon zahlen.
Zur Debatte stehen Einsparungen in allen Bereichen: bei der Ärzteschaft, den Kliniken, der Pharmaindustrie, den Krankenkassen und bei den Versicherten. Denkbar ist auch, die Einnahmen zu erhöhen, etwa durch höhere Beiträge für Gutverdiener oder durch höhere Steuerzuschüsse. Angesichts der riesigen Lücken in den kommenden Bundeshaushalten gilt es allerdings als wenig wahrscheinlich, dass mehr Steuerzuschüsse die Probleme lösen. Stattdessen hat die Bundesregierung den Krankenkassen Darlehen von rund 5 Milliarden Euro gegeben, die sie aber ab 2029 zurückzahlen müssen.
Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) befürwortet ein Primärarztsystem, um die Patienten besser durch das Gesundheitssystem zu steuern und die Facharztpraxen zu entlasten. Denkbar ist ein Bonus, wenn Patienten zunächst zum Hausarzt gehen. Oder es fällt eine Extragebühr an, wenn sie lieber direkt zum Facharzt möchten. Die Kassenärzte sprachen sich für einen Facharzttarif für Versicherte aus, die sich nicht steuern lassen wollen. Warken lehnt zugleich eine Aufteilung der gesetzlichen Krankenversicherung in eine Basisabsicherung und Zusatzversicherungen ab. "Es darf nicht vom Geldbeutel abhängen, wie ein Mensch medizinisch versorgt wird", sagte sie.
Befürworter versprechen sich davon, dass die in Deutschland im internationalen Vergleich sehr hohe Zahl von Arztbesuchen zurückgeht. Die Bundesbürger gehen im Schnitt zehnmal pro Jahr zum Arzt. Die Arbeitgeber wollen die 2013 abgeschaffte Praxisgebühr in veränderter Form wieder einführen. Diese "Kontaktgebühr" sollte nicht nur einmal im Quartal anfallen, sondern bei jedem Arztbesuch. Eine generelle Praxisgebühr für Arztbesuche gab es für gesetzlich Versicherte von 2004 bis Ende 2012 in Höhe von pauschal zehn Euro pro Quartal. Die führte jedoch zu einem erheblichen Verwaltungsaufwand. Die Einsparungen blieben hinter den Erwartungen zurück.
Die Preise für neue Medikamente sind enorm gestiegen. Die Kassen fordern einen Sparbeitrag der Pharmaindustrie. Warken hat auch höhere Zuzahlungen der Patienten für Medikamente und andere Gesundheitsleistungen ins Spiel gebracht. Heute zahlen Versicherte zehn Prozent selbst, mindestens allerdings fünf Euro und höchstens zehn Euro pro Packung.
Ende Oktober hatte die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) unter anderem ein Ende der Beitragsfreiheit für mitversicherte Ehepartner vorgeschlagen, die keine oder nur geringe Einkommen erzielen. Sie sollten künftig den Mindestbeitrag von rund 220 Euro im Monat für die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) selbst aufbringen. Grüne und SPD wollen eine einheitliche Bürgerversicherung, in die alle Bürger einzahlen, auch Selbstständige und Beamte. Auch die Kassen plädieren etwa dafür, neu eingestellte Beamte in die gesetzliche Krankenversicherung zu bringen und ihnen auch keine Beihilfe mehr zu zahlen.
Gesetzlich Versicherte müssen einen bestimmten Prozentsatz ihres Einkommens für die Krankenversicherung zahlen. Doch nur bis zu einer Höchstgrenze. 2025 betrug die sogenannte Beitragsbemessungsgrenze in der Kranken- und Pflegeversicherung 66.150 Euro jährlich. Einkommen über dieser Grenze ist beitragsfrei. Zwar werden die Grenzen jedes Jahr mit Blick auf die Lohnentwicklung neu berechnet. Es gibt jedoch Forderungen, diese Grenze über das normale Maß hinaus anzuheben und hohe Einkommen stärker zu belasten.
Die Krankenhäuser sind der größte Ausgabenposten der Kassen. In Deutschland werden Patienten häufiger stationär behandelt als in Nachbarländern. Die Zahl der Krankenhäuser ist im internationalen Vergleich sehr hoch. Zugleich finanzieren sich die Kliniken vor allem durch die Zahl der behandelten Fälle. Das führt zu hohen Zahlen an - möglicherweise auch unnötigen - Operationen. Die Idee der geplanten Krankenhausreform ist, die Zahl der Kliniken zu verringern, durch Spezialisierung bessere Behandlungsergebnisse zu erzielen und den Druck der Häuser, möglichst viele und lukrative Behandlungen durchzuführen, zu vermindern. Zugleich sollen mehr Behandlungen in den ambulanten Bereich verschoben werden. Das könnte zu deutlichen Einsparungen führen.