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Das war Leos zweiter Tag im Libanon – Am Dienstag zurück nach Rom

Erst die Politiker, danach die Religionsführer, dann die Jugend: Papst Leo XIV. zog alle Register, um im krisengeplagten Libanon zu Frieden und Versöhnung aufzurufen. Auch ein Gebetstreffen mit Muslimen gehörte dazu.

Religiöse Treffen mit Christen und Vertretern anderer Religionen standen im Mittelpunkt des zweiten Tags der Friedensreise Leos XIV. in den Libanon. 35 Jahre nach dem Ende des langen Bürgerkriegs im Land rief der Papst in Beirut die Religionsgemeinschaften zu Frieden und Zusammenarbeit auf. Da sich im Libanon gemäß der Verfassung die Religionsgemeinschaften die Macht teilen, hatte die Zeremonie dort auch politische Bedeutung.

Bei dem interreligiösen Treffen auf dem Märtyrerplatz sagte der Papst in Anwesenheit der Vertreter von 18 Religionsgemeinschaften: “In einer Zeit, in der das Zusammenleben wie ein ferner Traum erscheinen mag, erinnern die Menschen im Libanon, die verschiedenen Religionen angehören, eindringlich daran, dass Angst, Misstrauen und Vorurteile nicht das letzte Wort haben und dass Einheit, Versöhnung und Frieden möglich sind.”

Die Menschen im Libanon seien berufen, “Zeugnis abzulegen für die bleibende Wahrheit, dass Christen, Muslime, Drusen und unzählige andere zusammenleben und ein durch Respekt und Dialog geeintes Land aufbauen können”. Die Libanesen daheim und im Exil rief der Papst auf, “in einer immer stärker vernetzten Welt Friedensstifter zu sein, Intoleranz zu bekämpfen, Gewalt zu überwinden und Ausgrenzung zu verbannen”.

Mit Nachdruck wandte sich der Papst gegen Resignation angesichts der Kriege im Nahen Osten. “Angesichts solch komplexer und langjähriger Konflikte blickt die Menschheit manchmal mit einem Gefühl von Beklommenheit und Verzagtheit auf den Nahen Osten”, sagte Leo XIV. “Doch inmitten dieser Schwierigkeiten lässt sich ein Gefühl der Hoffnung und Ermutigung finden, wenn wir uns auf das konzentrieren, was uns verbindet: unser gemeinsames Menschsein und unseren Glauben an einen Gott der Liebe und des Erbarmens.” Bei dem interreligiösen Gebetstreffen in Beirut wurden unter anderem Texte aus der Bibel und aus dem Koran vorgetragen.

Zunächst hatte der Papst am Morgen das Kloster des libanesischen Nationalheiligen besucht, des wundertätigen Mönchs Charbel (1828-1898), der auch von Gläubigen anderer Religionen verehrt wird. Auch am Vormittag machte sich Leo XIV. im Marienheiligtum von Harissa nahe Beirut für ein friedliches Zusammenleben aller Menschen im Libanon stark. In der Liebe habe jeder etwas zu geben und zu empfangen, so das katholische Kirchenoberhaupt. Gegenseitige Hingabe bereichere alle und führe näher zu Gott.

Vor Bischöfen, Priestern und Ordensleuten erinnerte der Papst die Teilnehmenden in der populären Pilgerstätte auf Französisch an ihre Verantwortung für die Jugend. Es sei wichtig, ihren innovativen Beitrag wertzuschätzen, ihnen Raum und Bildung zu geben und konkrete Perspektiven zu Neuanfang und Wachstum zu bieten, betonte Leo XIV. Das gelte “auch inmitten der Trümmer einer Welt, in der es schmerzhafte Niederlagen gibt”.

Am Abend dann wollte der Papst am Sitz des maronitischen Patriarchen zu christlichen Jugendlichen sprechen. Am Sonntag hatte er die politische Klasse des Landes in einer vielbeachteten Rede zu umfassender Versöhnung nach den Kriegen und Krisen der vergangenen Jahrzehnte aufgefordert.

Am Dienstag endet die erste Auslandsreise Leos XIV. mit einer Messe an der “Beirut Waterfront”. Am Mittag fliegt der Papst nach Rom zurück.