Die Hilfsorganisation Care erinnert immer am Jahresanfang an humanitäre Krisen, die im vergangenen Jahr kaum Schlagzeilen machten. Die Katholische Nachrichten-Agentur (KNA) dokumentiert die von Care für 2025 gelisteten zehn vergessenen Krisen:
1. Zentralafrikanische Republik (1.532 Artikel): Der rohstoffreiche afrikanische Binnenstaat zählt zu den am wenigsten entwickelten Ländern der Erde. Seit zwölf Jahren sorgt ein Konflikt mit andauernder Gewalt dafür, dass rund 2,4 der 5,5 Millionen Einwohner in großer Not leben und auf humanitäre Hilfe angewiesen sind. Rund 1,1 Millionen Menschen sind in- und außerhalb des Landes auf der Flucht. Die Zentralafrikanische Republik ist als einziger Staat durchgängig in allen zehn Krisenreporten, die seit 2016 erschienen sind, vertreten.
2. Namibia (2.379 Artikel): Der südwestafrikanische Staat macht derzeit die größte Dürre seit 100 Jahren durch. Nutztiere verenden, die Ernten brachen im vergangenen Jahr dramatisch um über 80 Prozent ein. Über ein Drittel der rund 3,1 Millionen Einwohner ist von Ernährungsunsicherheit bedroht. Zudem sorgt die Wasserknappheit für eine Ausbreitung von Durchfallkrankheiten, da immer mehr verschmutztes Wasser getrunken wird. Auf der anderen Seite wurden zuletzt große Fortschritte in der Gleichberechtigung der Geschlechter erzielt – zu Beginn des Jahres 2025 hatten erstmals drei Frauen die drei höchsten Staatsämter inne.
Klimawandel in Sambia besonders dramatisch
3. Sambia (2.980 Artikel): Wie Namibia wirkt sich auch in Sambia der Klimawandel dramatisch aus – allerdings in Form von Überschwemmungen. Die Fluten haben im vergangenen Jahr große Teile der Ernten zerstört. Aktuell sind laut Care rund 5,5 der knapp 22 Millionen Sambier auf Unterstützung angewiesen, über 1,2 Millionen Menschen sind von Ernährungsunsicherheit bedroht. Gleichzeitig bedrohten zunehmende Bodenerosionen die Lebensgrundlage in dem südafrikanischen Binnenstaat.

4. Malawi (3.436 Artikel): Ein Wechselspiel von Dürren und Überschwemmungen sorgt auch in Malawi für dramatische Ernteausfälle. In Sambias Nachbarstaat sind laut Care etwa 6,1 der über 22 Millionen Einwohner in Not. Um die Situation der Menschen zu verbessern, brauche es vor allem einen Ausbau der Frühwarnsysteme für Naturkatastrophen sowie klimaresistente Lebensgrundlagen.
5. Honduras (3.533 Artikel): Das einzige mittelamerikanische Land in den Top Ten leidet unter Armut, Gewalt und der Klimakrise. Fast die Hälfte der gut 11 Millionen Einwohner lebt unter der Armutsgrenze, durch Dürren und damit steigende Lebensmittelpreise seien 1,6 Millionen Menschen von Ernährungsunsicherheit bedroht. Dabei seien vor allem Frauen betroffen. Auch seien körperliche Gewalt und sexuelle Übergriffe gegen Frauen und Mädchen deutlich gestiegen.
Nordkorea: 40 Prozent sind unterernährt
6. Nordkorea (4.075 Artikel): Der vielleicht überraschendste Eintrag auf der Liste. Berichte über Raketentests oder Militärparaden aus der isolierten Diktatur finden sich durchaus häufig. Dahinter verberge sich jedoch auch eine deutlich weniger beachtete humanitäre Krise, die wohl weit über ein Drittel der gut 26 Millionen Einwohner betrifft. Nach UN-Schätzungen sind 40 Prozent der Nordkoreaner in unterschiedlichem Ausmaß von Unterernährung betroffen, fast jedes fünfte Kind unter fünf Jahren leide wegen Mangelernährung an Wachstumsverzögerungen. Gleichzeitig sei internationale Hilfe aufgrund der Sanktionen gegen das Regime kaum möglich.
7. Angola (4.132 Artikel): Der Atlantik-Anrainer im Südwesten des Kontinents stand im Vorjahr noch auf Platz eins der Liste. Neben anhaltenden Dürren sorgten Unruhen und eine landesweite Cholera-Epidemie weiterhin für eine schwierige humanitäre Lage. Nach UN-Angaben sind fast 2,6 der 39 Millionen Einwohner auf Hilfe angewiesen, die Hälfte davon Kinder – das, obwohl das Land einer der größten Ölproduzenten des Kontinents ist.
8. Burundi (5.879 Artikel): Mit neun Auftritten gehört Burundi, knapp hinter der Zentralafrikanischen Republik, zu den Dauergästen im Krisenreport. Der ostafrikanische Binnenstaat ist mit Extremwetterereignissen, politischen Unruhen und massiven Fluchtbewegungen, vor allem aus der benachbarten Demokratischen Republik Kongo, konfrontiert. Insgesamt haben laut Care 1,2 Millionen der über 14 Millionen Einwohner nicht genug zu essen, etwa die Hälfte davon leide unter akuter Mangelernährung. Partnerschaftsgewalt und Kinderehen seien für Frauen und Mädchen ein zunehmendes Problem.
Spitzenreiter Madagaskar ein alter Bekannter – leider
9. Simbabwe (5.905 Artikel): Der südafrikanische Binnenstaat ist ein weiterer Betroffener des Klimawandels. Das Auftreten von Dürren habe sich deutlich gehäuft: von einer pro Jahrzehnt auf einen Zwei- bis Dreijahresrhythmus. Mindestens 7 der insgesamt 17 Millionen Einwohner leiden laut Care Not. Dabei sei die ländliche Bevölkerung besonders stark betroffen.
10. Madagaskar (6.210 Artikel): Afrikas größte Insel schließt die Rangliste ab. Auch Madagaskar gehört zu den am schwächsten entwickelten Staaten der Erde. In der ersten Jahreshälfte versehrten gleich mehrere schwere Katastrophen – darunter Dürren, Überschwemmungen und Wirbelstürme – die Insel. Rund 4,7 Millionen Menschen, darunter 2,3 Millionen Kinder, benötigten 2025 aufgrund von Ernährungsunsicherheit, Krankheitsausbrüchen und Klimakatastrophen humanitäre Hilfe. Die Zuspitzung der Krise sorge zudem für Unruhen im Land. Im Oktober 2025 übernahm das Militär die Macht.
