Das Licht von Weihnachten

Im Stall von Bethlehem entzündet sich ein Licht, das kraftvoll die Welt verändert. Weihnachten zeigt uns, wie wir selbst für andere strahlen können und füreinander Licht werden. Ein Gastbeitrag.
Das Licht von Weihnachten
Der Weihnachtsgottesdienst hat für Margot Käßmann eine große Bedeutung - Imago / epd-bild
Weihnachten ist das Fest des Lichts. Licht werden – licht werden – das geschieht, wenn ich mich entscheide, den Weg zur Krippe mitzugehen. Licht werden – licht werden – das geschieht, wenn ich die wunderbare Botschaft von Weihnachten in mein Herz lasse: Gott wird Mensch in Jesus Christus. Seine gottgegebene Menschlichkeit strahlt aus, erhellt die Herzen all derer, denen Jesus begegnet. Er ist eine Lichtgestalt, dem das Dunkel nie unbekannt war. In unseren Breitengraden können wir diese Hoffnung auf Gottes Dasein als Licht im Dunkel deutlich machen mit Zeichen wie dem wachsenden Licht des Adventskranzes und dem Licht am Weihnachtsbaum. Wenn wir die Kerzen anzünden, „spenden“ wir Licht – diese Begrifflichkeit zeigt, dass wahres Licht weder machbar noch stets verfügbar ist.

Licht im Film: Nichts bleibt im Dunkeln

Mich beschäftigt das Licht auch als Filmliebhaberin. In der Filmkunst entsteht jede Szene aus dem Verhältnis von Licht und Schatten. Erst wenn Licht auf etwas fällt, wird sichtbar, was zuvor verborgen war: ein Gesicht, ein Zögern, ein ganzes Gefüge aus Beziehungen. Licht schenkt Orientierung. Es verleiht Form und Würde. Und es erzählt immer auch davon, dass nichts ganz im Dunkeln bleiben muss. Diese Erfahrung prägt meinen Blick auf die Weihnachtsgeschichte. Der Stall von Bethlehem ist kein Ort großer Helligkeit. Er ist ein Raum der Enge, der Unsicherheit, ein Unterschlupf für eine Familie auf der Suche nach Schutz. Gerade dort, mitten in einem politischen und sozialen Umfeld, das damals wie heute von Unruhe, Gewalt und Angst gezeichnet war, beginnt Gottes Licht. Nicht überwältigend, nicht blendend, sondern leise und verletzlich. Das Kind in der Krippe ist ein starkes, ein helles Signal des Widerspruchs: ein Licht, das die Dunkelheit ernst nimmt und ihr dennoch die letzte Deutung entzieht.
 
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In unserer Welt, wie sie uns in diesen Monaten wieder begegnet, wirkt dieses Bild erstaunlich gegenwärtig. Viele Menschen erleben Krieg und Vertreibung, Hoffnungslosigkeit und Verlust. Auch bei uns sind die Zeichen der Unsicherheit sichtbar: ökonomische Sorgen, gesellschaftliche Spannungen, der raue und oft unversöhnliche Ton in politischen Auseinandersetzungen. In vielen Gesprächen spüre ich, wie sehr Menschen heute nach einem Licht suchen, das ihnen den Weg zeigt – entweder für den nächsten Schritt oder im besten Fall auch mit Licht für einen Überblick, um sich gut zu orientieren und richtige Entscheidungen zu treffen. Sie hoffen auf ein Licht, das in die Herzen dringt und manch eigene Enge weitet und hell macht. Sie fragen nach einer Hoffnung, die nicht einfach überdeckt, sondern trägt. Weihnachten lädt uns ein, dieses Licht neu wahrzunehmen.

Engagement von Christen sind Lichtpunkte

Es zeigt uns zugleich, wie es in die Welt kommt: nicht durch Macht, sondern durch Zuwendung. Nicht durch grelle Scheinwerfer, sondern durch ein Licht, das sich teilt. Es beginnt im Kleinen – und bewirkt gerade dort Veränderung. Gerade in unseren Gemeinden sehe ich das immer wieder: in Menschen, die Zeit und Kraft schenken; in der Stille eines Gebets; im Hören aufeinander; im Mut, nach Lösungen zu suchen, wo Konflikte belasten; im solidarischen Begleiten derer, die Unterstützung brauchen. Solche Gesten mögen zuweilen unscheinbar wirken und doch: Sie sind Lichtpunkte – miteinander verbunden, ergeben sie ein größeres Bild. Der biblische Satz „Das Volk, das im Finstern wandelt, sieht ein großes Licht“ wird gerade dann bedeutsam, wenn er nicht als Selbst­verständlichkeit verstanden wird. Er spricht mitten in eine Weltlage, in der Dunkelheiten real sind: ­Kriege, die kein Ende finden; Menschenrechte, die verletzt werden; Erwartungen, die enttäuscht werden. Und dennoch sagt er: Gottes Licht ist nicht verschwunden. Es wird sichtbar, wo Menschen ein­ander ansehen, Verantwortung übernehmen, Frieden wahren und die stille Resignation anderer nicht überhören.

Einander das Licht der Liebe schenken

Aus der Filmwelt habe ich gelernt, wie wichtig es ist, den Blick zu lenken: Welche Szenen wählen wir aus? Was beleuchten wir – und was lassen wir im Schatten? Weihnachten ermutigt uns, auf das Licht zu achten, das sich heute schon zeigt. Und zugleich selbst Licht zu werden – nicht durch große Gesten, sondern durch verlässliche Hinwendung. Weihnachten erzählt uns nicht, dass die Dunkelheiten verschwinden. Es erzählt uns, dass die Dunkelheit durch das Licht der Ewigkeit begrenzt ist und durch das Licht der Liebe, das wir einander schenken können. Ich wünsche Ihnen ein gesegnetes Fest, an dem ein Licht aufscheint, das Sie stärkt und begleitet. Gottes Licht findet uns. Und wir können Licht füreinander werden. Julia Helmke ist Generalsuperintendentin im Sprengel Berlin.
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Ein Beitrag von:

Constance Buerger

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