Ja, sie bete für Grönland, sagt Annie Lander Laszig. Sie bete auch für die Ukraine, sie habe Angst, dass es zu einem weiteren Weltkrieg komme. „Ich bin sehr unglücklich über Donald Trump und wie er die Welt sieht“, sagt sie und schweigt.
Annie Lander Laszig ist Dänin, Pastorin, Reisende, Begleiterin von Kreuzfahrten und Gruppen. In Kopenhagen geboren, lebt sie seit den 1980er Jahren in Deutschland, erst in Hamburg, dann in Kiel. Auch nach Grönland wäre sie gerne gezogen. „Aber mein Mann wollte das nicht.“
Stattdessen haben sie Grönland nach Kiel geholt. An den Wänden ihres Hauses zeigen Bilder Eislandschaften und Schiffe, Schlittenhunde und Menschen. Reise-Souvenirs stehen in den Regalen. Und dann wären da noch die rund 3.000 Bücher, die von Grönland erzählen. „Eigentlich wollten wir unsere Sammlung längst sortieren“, sagt Annie Lander Laszig.
Als 27-jährige Studentin betrat sie erstmals die Insel im Nordatlantik. Damals begleitete sie eine dänische Reisegruppe, um sich etwas dazuzuverdienen. „Ich war die Erste, die damals mit Touristen nach Grönland fuhr“, erinnert sie sich an die Fahrt im Sommer 1973. Etwa 150 weitere Besuche folgten. Die nächste Reise plant die 80-Jährige für Juni. Sie sei gespannt, ob Grönlands Hauptstadt Nuuk dann noch in dänischem Besitz ist. „Donald Trump hat jetzt zwar gesagt, dass er keine Militärmacht einsetzen wird – aber wer weiß.“
Die Ankündigung des US-Präsidenten beim Wirtschaftsgipfel in Davos, keinen Anspruch mehr auf Grönland zu erleben, sieht sie als „Atempause“. „Also, ich kann es hoffen, aber nicht glauben, weil es so extrem war, was er in der letzten Zeit gesagt hat“, gibt sie zu bedenken. „Seitdem Trump Präsident ist, hat er nur gesagt, dass Grönland zu den USA gehört. Ich finde das unerhört und traurig.“
Doch einen Vorteil kann sie dem weltpolitischen Gezerre um Grönland durchaus abgewinnen: Die Insel, die seit 1979 ein politisch selbstverwalteter Teil Dänemarks ist, erfährt Aufmerksamkeit. „Ich finde es sehr gut, dass Grönland auf einmal viel mehr wahrgenommen wird in Dänemark.“
Wie Grönland früher war, daran erinnert sich Annie Lander Laszig genau. Es gab Menschen, die lebten damals noch in Torfhäusern. „Nicht mehr viele, aber einige, in Umanak zum Beispiel.“ Das ist eine kleine Insel an der Westküste. Auf ihren ersten Reisen gab es nicht einmal ein Museum in vielen kleinen Städten, erinnert sich die Pastorin. „Da war nichts. Der Kapitän rief mich auf die Brücke, zeigte die Kirche und sagte: “Da kannst du hingehen.” Heute gibt es zwei große internationale Flughäfen auf der Insel, der neueste in Nuuk wird regelmäßig aus Kopenhagen und New York angeflogen.
„Die Entwicklung ist über die Jahre, in denen ich nach Grönland fahre, rasant verlaufen. Zum Beispiel wurden die Namen der Städte und Ortschaften in grönländische Namen geändert: Früher hieß die Hauptstadt Godthaab, ‘die gute Hoffnung’, seit 1979 ist es Nuuk“, erklärt Lander Laszig.
Verständigen konnten sie sich damals nur schwer, ist Grönländisch mit seinen Knacklauten doch besonders kompliziert. Heute könne sie sich meistens problemlos auf Dänisch unterhalten.
Es sind die Menschen, die Lander Laszig ins Herzen geschlossen hat. Ruhige, starke Charaktere, die ihre Kultur unter extremen Klimabedingungen über Generationen hinweg leben und weitergeben. „Besonders die Frauen sind unheimlich selbstbewusst und sehr kompetent. In den letzten Jahren haben sie vieles übernommen und sprechen verschiedene Sprachen.“ Und: humorvoll seien sie, die Grönländer.
Sorgen bereiten ihr heute die zahlreichen großen Kreuzfahrtschiffe, die mittlerweile Grönland ansteuern. Lander Laszig hat bewusst nur kleine Gruppen begleitet. „Viele Touristen fotografieren die Menschen, ohne zu fragen“, erzählt sie. Dass jedoch Berufe für die einheimische Bevölkerung im Tourismus entstehen, sei positiv.
Grönland, das bedeutet extreme Kälte und kaum Sonnenstunden im Winter, aber auch T-Shirt-Wetter und endlose Tage im Sommer. Neben den Insulanern ist es dieses besondere Licht, das Annie Lander Laszig so fasziniert. Und die Spuren der Geschichte: Zum Beispiel die Kirche von Hvalsey, heute eine Steinruine ohne Dach, die auf die Mission durch die Wikinger zurückgeht. „Ich habe ein paar Mal mit Kreuzfahrtgästen Andachten in der Kirchenruine mit Musikern vom Schiff gefeiert“, erinnert sie sich. Ganz besonders sei das gewesen. „Es gab nur eine große grüne Wiese um uns herum, ein paar Schafe – und diese Kirchenruine.“