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Charlotte Knobloch: Zeit der Bequemlichkeit ist vorbei

Die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, Charlotte Knobloch, hat zur Verteidigung der Demokratie aufgerufen. „Wenn Rechtsextreme in Deutschland in Wahlumfragen vorn liegen, dann ist die Zeit der Bequemlichkeit vorbei“, sagte sie in ihrer Rede zum 87. Jahrestag der Reichspogromnacht laut Manuskript am Sonntagabend in München. „Das große Schweigen, das bislang in großen Teilen der Gesellschaft vorherrscht, muss ein Ende haben.“

Aus der Geschichte erwachse die Verantwortung, es anders und besser zu machen als die Menschen vor fast einem Jahrhundert, mahnte Knobloch. Man dürfe nicht einfach darauf vertrauen, dass „der Spuk“ vorübergehe oder tatenlos zusehen, wenn Rechtsstaat und Menschenrechte peu à peu zurückgedrängt würden. Dieser Auftrag sei die „Aufgabe unserer Zeit“.

„Das Deutschland des Grundgesetzes besteht zu dem Zweck, das Gegenteil des Dritten Reiches zu sein“, sagte die frühere Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland weiter. Dies sei der Weg, der Deutschland aus den Trümmerwüsten in Freiheit und Wohlstand zurückgeführt habe. Wer die Werte verachte, auf denen das Gemeinwesen ruht, der führe Deutschland nicht in bessere Zeiten, sondern in die Irre, „auf einen Pfad des Abstiegs und der Finsternis.“

Es mache sie sprachlos, dass „ein politisches Projekt mit genau dieser Zielsetzung heute von so vielen Menschen unterstützt wird“, sagte Knobloch weiter. „Wir erleben längst, wie Hass in der Gesellschaft um sich greift. Die jüdische Gemeinschaft bekommt das mit besonderer Härte zu spüren – in den vergangenen zwei Jahren so intensiv wie selten zuvor“, sagte sie mit Blick auf den Angriff der Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023 und den seither wachsenden Antisemitismus. (3497/09.11.2025)