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Bund-Naturschutz-Chef sieht in Bayern Fortschritte und große Defizite

Mit rund 269.000 Mitgliedern und Förderern ist der Bund Naturschutz der bayernweit älteste und größte Verband dieser Art. Nach zwei Wahlperioden gibt Richard Mergner das Amt des Vorsitzenden ab. Wie er die Lage sieht.

Der scheidende Bund-Naturschutz-Chef (BN) in Bayern, Richard Mergner, sieht im Freistaat Licht und Schatten, wenn es um den Schutz der Natur geht. So bezeichnete er es im Interview mit dem “Münchner Merkur” als einen riesigen Fortschritt, dass etwa Forderungen für mehr Nachhaltigkeit inzwischen ins Gesetz aufgenommen worden seien. “In der Praxis ist es aber leider so, dass die Ziele vielfach nur Bestandteile politischer Sonntagsreden sind.” Als Beispiel führte er das Flächensparziel an. 2021 seien fünf Hektar pro Tag gesetzlich festgeschrieben worden. In der Realität liege der Flächenverbrauch seit Jahren aber um die zehn bis zwölf Hektar pro Tag.

Auch der Artenschutz ist nach den Worten des BN-Landesvorsitzenden ein Dauerbrenner. Zwar gebe es Erfolge bei einzelnen Arten, wenn es konkrete Projekte für sie gebe wie beim Biber oder der Wildkatze. “Auf der anderen Seite verlieren wir flächendeckend massiv Insekten und frühere Allerweltsarten wie den Kiebitz oder das Rebhuhn.” Trotz guter Ziele und Programme gebe es noch keine Trendwende, sondern auch in Bayern weitere Verluste und Verschlechterungen, weil die grundlegenden Gefährdungsfaktoren geblieben seien.

Für wünschenswert hält Mergner einen Nationalpark im Steigerwald und eine Biosphärenregion im Spessart genauso wie die Renaturierung der Salzach zum Naturfluss, wie er sagte. All dies wäre ein Segen für bedrohte Tier- und Pflanzenarten – “und auch für die Bevölkerung vor Ort.” Was er in seiner Zeit beim BN allerdings gelernt habe, sei, dass vordergründige Niederlagen oft keine seien, weil alle Aktionen zur Bewusstseinsbildung beitrügen. “Wir haben oft den längeren Atem”, erklärte der 64-Jährige. Mergner war seit 2018 Vorsitzender des bayernweit nach eigenen Angaben ältesten und größten Umweltschutzverbands mit rund 269.000 Mitgliedern und Förderern.