Ein für die Region ungewöhnlicher Bau ist die Kerzendorfer Kirche: Innen ist die Kirche im Ortsteil von Ludwigsfelde mit viel Holz und einem imposanten Tonnengewölbe ausgestattet, außen ganz im neoromanischen Stil gehalten. Ende des 19. Jahrhunderts hatte ihr ein Vorgängerbau aus Feldstein weichen müssen. Das erfahren die Besucherinnen und Besucher der Kirche schon im Eingang auf großen Infotafeln.
An diesem Tag geht es aber nicht nur um Historisches und Architektur, sondern auch um die Geschichten, die die Menschen hier erlebt haben. Ins Gespräch kommen möchte Friedemann Düring im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Wenn Kirchen erzählen“, die in den Sommermonaten in verschiedenen Dorfkirchen im Kirchenkreis Zossen-Fläming stattfindet. Der Pfarrer ist verantwortlich für den Bereich „Erwachsen glauben“ sowie die Öffentlichkeitsarbeit im Kirchenkreis.
Besucherinnen und Besucher erkunden Empore, Kanzel und Altar
„Was macht diese Kirche für Sie besonders? “, fragt er die Besucher. Er bittet sie, durch den Raum zu gehen und einen Ort zu finden, der sie anspricht – sei es durch Schönheit, Erinnerungen oder Fragen, die er aufwirft. Viele der Anwesenden, darunter auch Kinder und Jugendliche, sind in Kerzendorf getauft. Andere kommen aus Ludwigsfelde oder haben die Veranstaltungsreihe bereits in anderen Kirchen erlebt. Sie nehmen sich Zeit, erkunden Empore, Kanzel und Altar, bleiben stehen, schauen. Bald teilen die Besucher ihre Eindrücke: Schnitzereien, Bogenfenster, kleine Details fallen ins Auge.Dann kommen die Erinnerungen. Eine 92-Jährige erzählt, wie sie im Zweiten Weltkrieg mit dem Fahrrad aus dem Nachbarort zur Schule neben der Kirche fuhr. Ein anderer berichtet, wie seine Großmutter bedauerte, dass die Orgelpfeifen in der Nachkriegszeit verloren gingen. Einige erinnern sich an die Kirche vor der Renovierung in den 1960er Jahren, als der Rundbogen hinter dem Altar noch nicht die Winterkirche abtrennte. Friedemann Düring greift die baugeschichtlichen Hinweise auf und schlägt den Bogen zur theologischen Bedeutung der Himmelsrichtungen und der zentralen Gegenstände im Gottesdienst. Heute steht der Taufstein im Mittelpunkt. Mit Blüten geschmückt, wartet er auf den Täufling, den die Eltern auf dem Arm tragen.Sieh dir diesen Beitrag auf Instagram an
