“Born in Evin” – ZDF-Doku über iranisches Trauma

In dem Dokumentarfilm „Born in Evin“ begibt sich die Autorin und Protagonistin des Films auf die Suche nach einem Teil ihrer Vergangenheit, der im Dunklen liegt. Ihre Geburt im berüchtigten Teheraner Evin-Gefängnis.
“Born in Evin” – ZDF-Doku über iranisches Trauma
Born in Evin erzählt die Geschichte von Regisseurin und Schauspielerin Maryam Zaree
Realfictionfilme

Evin – ein Schreckgespenst. Genau dort, im bekannten und berüchtigten Gefängnis in Teheran, wurde Maryam Zaree 1983 geboren. Die Umstände ihrer Geburt sind allerdings für die iranischstämmige Schauspielerin und Filmemacherin aus Frankfurt (Main)/Berlin eine Leerstelle, denn ihre Mutter, die einzige, mit der sie über diese Zeit sprechen könnte, möchte nicht über diesen Teil ihrer Biografie er zählen.

Reise an Orte der Diaspora

 In dem 2019 erschienenen Dokumentarfilm „Born in Evin“ (Deutschland/Österreich) begibt sich die Autorin und Protagonistin des Films auf die Suche nach dem Teil ihrer Vergangenheit, der im Dunklen liegt. Sie reist an Orte der persischen Diaspora in Europa – Italien, Großbritannien, Frankreich und Deutschland – und sucht neben dem Gespräch mit ihren Eltern auch das mit anderen Dissidenten des Regimes im Iran: „Was ist damals mit unserem Volk, mit mir passiert?“

1979 ist eine Zäsur für den Iran: Der Schah wird gestürzt und Ayatollah Khomeini, der neue Staatschef und religiöse Führer einer Islamischen Revolution, wird das Land in der Folge zu einer theokratischen Diktatur umbauen. Viele Iranerinnen und Iraner wollten damals ein anderes Persien, eines, das für Freiheit und Gleichberechtigung steht – und sie sind es auch, die in Folge des Machtwechsels vom islamischen Regime verfolgt werden. Zehntausende werden gefangen genommen, gefoltert und ermordet. Auch in Evin.

Das Schweigen gehört dazu

 „Das Schweigen ist Teil unserer Geschichte“ – heißt es an einer Stelle im Film. Und es ist eben dieses Schweigen, diese ohrenbetäubende Stille, die Zaree bei ihren Recherchen zu durchbrechen sucht. Vielfach scheitert sie. Denn weder die Elterngeneration noch die der Kinder, die vielleicht ein ihr ähnliches Schicksal erlebt hat, möchten über diese Zeit reden. Sie lernt, dass diejenigen, die das Glück hatten der Folter und dem Tod durch die Flucht in die Diaspora zu entkommen, ihr Trauma hinter sich lassen wollten, um den Nachkommen einen Neuanfang zu er möglichen. Doch die Geister der Vergangenheit sind da. Das transgenerationale Trauma hat sich ins kulturelle Gedächtnis eingebrannt.

Maryam Zaree findet im Laufe des Filmprozesses eine Möglichkeit von Erzählung, die sie dem Nichtwissen entgegensetzen kann. Sie während dieses Prozesses begleiten zu dürfen, ist das Besondere an dem Film.

Born in Evin (2019, Deutschland/ Österreich), Regie: Maryam Zaree. Der Dokumentarfilm ist aktuell in der ZDF-Mediathek abrufbar.

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