Die neue bolivianische Regierung will erneut mit ausländischen Antidrogenbehörden kooperieren und diesen Einsätze im Land erlauben. Innenminister Marco Oviedo kündigte am Dienstag (Ortszeit) an, die US-Drogenbehörde DEA (Drug Enforcement Administration) werde nach Bolivien zurückkehren, wie die Tageszeitung „La Razón“ berichtete. „Das Verbrechen kennt keine Grenzen“, sagte Oviedo. „Wir dürfen die Zusammenarbeit mit ausländischen Agenturen nicht stigmatisieren.“
Die DEA war 2008 aus Bolivien ausgewiesen worden, nachdem die damalige Regierung unter Präsident Evo Morales ihr politische Spionage und Unterstützung der rechten Opposition vorgeworfen hatte. 2013 musste auch die US-Entwicklungsbehörde USAID das Land verlassen. Die US-Regierung kritisierte daraufhin, Bolivien gehe nicht entschlossen genug gegen die Kokainproduktion vor.
Der seit Samstag amtierende christdemokratische Präsident Rodrigo Paz kündigte eine Neuausrichtung der internationalen Beziehungen an. Noch vor seiner Amtseinführung hatte er die USA besucht und Gespräche mit Regierungsvertretern sowie mit internationalen Finanzorganisationen in New York geführt. Gegenüber dem Fernsehsender RTP sagte Paz, er wolle den Drogenhandel im Land bekämpfen und Bolivien „der Welt öffnen“.
Der Anbau und Konsum von Koka-Blättern ist in Bolivien kulturell verankert und gesetzlich erlaubt, nicht jedoch deren Verarbeitung zu Kokain. Nach ersten positiven Zahlen, die trotz Ausweisung der DEA einen Rückgang der Kokainproduktion im Land vermuten ließen, zeigten sich die Vereinten Nationen in den letzten Jahren besorgt über eine Ausweitung des Anbaus. Auch laut dem lateinamerikanischen Investigativportal „Insight Crime“ ist in den vergangenen Jahren die Produktion und Schmuggel von Kokain deutlich gestiegen.