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Bloß nicht umgraben!

Vorfreude: Wer viele Jahre bequem ernten will, muss einmal etwas schwitzen

dima_pics - stock.adobe.com

Reichlich Gemüse aus eigenem Anbau statt aus dem Supermarkt – diesen Wunsch gilt es zu verwirklichen. Den Rücken strapazierendes Bücken soll bei Bepflanzung, Hege, Pflege und Ernte aber wegfallen. Auch soll Schnecken-, Raupen- oder Nagerfraß, der schon so manche Erntefreude trübte, vermieden werden.
Um beides zu gewährleisten, mache ich mich in diesen Herbsttagen daran, ein „Hochbeet“ zu bauen.
Zunächst müssen dafür die vier vormontierten Holzwände, die ich im Baumarkt besorgt habe, miteinander verschraubt werden. Insgesamt 40 Mal frisst sich die Bohrmaschine durch die Hartholzbretter. Dann geht’s mittels Akkuschrauber daran, die Schrauben nach und nach so fest in die Eckkanthölzer auf der Innenseite einzudrehen, bis alle Seitenteile sauber miteinander verbunden sind.
Einige Schweißtropfen später steht da eine etwa 70 Zentimeter hohe, ein Meter breite und zwei Meter lange bodenlose Kiste vor mir.
Als ihr künftiger Standort ausgemacht ist eine Stelle auf der zum Rasen hin leicht geneigten Terrasse. Ausgerüstet mit Wasserwaage, Winkeleisen und Zollstock lege ich da zunächst ein Rechteck aus zwischen vier bis etwa zehn Zentimeter hohen Steinen an mit Durchlässen, besonders an der Neigungsseite. Das Innere mit einer Kieselstein-Schicht aufgefüllt, wird das Ganze überdeckt mit einem stabilen feinmaschigen Gitter. Passgenau geschnitten mit der Drahtschere.
Diese vorbereitenden Arbeiten, so die Beratung in der Gartenabteilung, seien bei festem Untergrund wichtig, um das Entstehen von Staunässe durch versickerndes Gieß- und Regenwasser zu unterbinden. Denn die lasse Pflanzen absterben, weil ihre Wurzeln faulen. „Drainage“ nennt so ein Sickerwasserablaufgebilde der Fachmann.
Mit tatkräftiger Unterstützung von Sohn Nummer drei findet der zusammengebaute Holzkorpus auf diesem Fundament seinen endgültigen Platz. Passt.
Sodann geht‘s ans Auskleiden der Wände auf der Innenseite, damit die im Lauf der Jahre nicht feucht und faulig werden. Klingenmesserschnitte später liegen ausgebreitet auf der Terrasse zwei dreieinhalb Meter lange und etwa ein Meter breite Bahnen aus strapazierfähigem Vlies, das keine Feuchtigkeit durchlässt. Zu zweit platzieren wir dieses Innenfutter so, dass auch auf den Seitenwandoberkanten von Holz nichts mehr zu sehen ist. Nach ein paar Hammerschlägen ist das Spezialtuch auf den Kanten grob fixiert.
Noch die vier Umrandungsbretter auf die Oberseiten geschraubt, sitzt das Vlies rundum fest. Geschafft.
Nach einer wohlverdienten Pause geht’s ans Befüllen. Danach kann eigentlich erst von einem Hochbeet gesprochen werden. Vorfreude auf bald zu erntendes Grünfutter, das Menschenherz und -gaumen erfreut, stellt sich ein.
Das Bild einer mehrschichtigen Torte mit ihrer besonderen Rezeptur vor dem inneren Auge verteile ich die erste Lage aus kleingehäckselten Ästen und Zweigen in dem großen Holzkorpus, gefolgt von einer dicken Schicht Laub, dann Grasschnitt vermengt mit Stroh, Komposterde und zum Abschluss reichlich Pflanzerde. Ende der schönen Schichtarbeit.
Diese Zutaten, die – so versprochen – das gedeihliche Wachstum fördern, fallen in dieser Jahreszeit reichlich an. Im nächsten Frühjahr kann gepflanzt werden. Auf meiner Wunschliste stehen da ganz oben Zucchini. Die kann man so schön mit Gehacktem füllen. Lecker. Und für die eine oder andere Salat- und Gurkenpflanze ist auch noch genügend Platz.
Damit Erntedank auch in den Folgejahren leichtfällt, ist – anders als bei Erdbeeten – mit Blick auf den Erhalt des sensiblen Schichtaufbaus unbedingt zu beherzigen: Bloß nicht umgraben!