Die Aktivistin und Bloggerin Kate Bohuslavska ist nach dem russischen Angriffskrieg auf die Ukraine in Charkiw geblieben, einem Hotspot der Bombenangriffe. Draußen herrschen derzeit minus zwölf Grad Celsius, die Stromversorgung wird durch russische Raketen immer wieder unterbrochen. Viele Menschen in ihrem Umfeld sind bei Anschlägen bereits gestorben. Trotzdem will Bohuslavska auch nach vier Jahren Krieg ihre Heimat nicht verlassen.
„Dies ist mein Zuhause. Meine Familie ist hier, meine Freunde sind hier. Alles, was ich liebe, ist hier“, sagt sie im Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst (epd). Ihre Freunde seien gestorben, um diesen Ort zu verteidigen. „Warum sollte ich all das aufgeben, nur weil genozidale Nachbarn beschlossen haben, es uns wegzunehmen? Nein, ich gehe nicht weg“, sagt die 36-Jährige entschlossen.
Kate Bohuslavska: Kein Strom, kein Gas, kein Wasser
Der ständige Bombenalarm und der harte Winter würden den Menschen aber viel abringen. „Ich lebe in einem Wohnhaus ohne Gas. Ohne Strom gibt es keinen Herd zum Kochen, und für viele Menschen, die auf Pumpen angewiesen sind, bedeutet das auch kein Wasser – nicht einmal kaltes.“ Die meisten Menschen hätten kleine Campingkocher zum Erhitzen von Wasser und Essen angeschafft, außerdem Powerbanks oder Ladestationen, um Geräte wie Smartphones aufzuladen. Kalt sei es in den Mehrfamilienhäusern trotzdem.„Russland versucht, uns zu manipulieren, damit wir Deals akzeptieren, die in Wirklichkeit Vorschläge zur Kapitulation sind“, sagt sie. Diese Strategie werde auf keinen Fall funktionieren. „Ich kenne niemanden, der denkt, dass wir kapitulieren sollten. Die Russen haben Menschen ermordet, Massenvergewaltigungen begangen, Häuser und Geschäfte geplündert und 20.000 Kinder ihren Eltern entrissen. Niemand würde solche Gräueltaten erdulden, nur um Strom zu haben.“ Unter dem Profilnamen „Kate from Kharkiv“ postet Bohuslavska täglich auf der Social-Media-Plattform „X“ auf englisch ihre Erlebnisse in Charkiw und zeigt Fotos von ihrer Stadt nach Bombenangriffen. Mittlerweile folgen ihr knapp 100.000 Menschen. Sie unterstützt außerdem die Stiftung „Hugs“, die sich für Familien einsetzt, die aus anderen Landesteilen vertrieben wurden und nun versuchen, in Charkiw wieder Fuß zu fassen.Video of a russian drone striking a house last night in Bohodukhiv, Kharkiv region. 😨 pic.twitter.com/Sm2PZQR2oX
— Kate from Kharkiv (@BohuslavskaKate) February 9, 2026
