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Bischof Stäblein kritisiert “Wutgesellschaft”

Der evangelische Bischof Christian Stäblein hat zunehmende extreme Polarisierungen in der Gesellschaft kritisiert. Es habe sich an vielen Stellen eine „Empörungs- und Wutgesellschaft“ entwickelt, die der Demokratie schade, sagte Stäblein am Donnerstag in Berlin in seinem Bischofswort vor der Synode der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz. Empörung sei „fast schon die regelhafte Rezeption von Ereignissen jedweder Art geworden“. Diese Empörungsgesellschaft habe auch die Kirche erreicht.

Stäblein betonte, normale Polarisierung sei unproblematisch, denn sie diene der Sortierung und Etablierung sowie dem Diskurs von unterscheidbaren Positionen. Das Problem sei die zum Zweck der Demokratieschädigung betriebene Instrumentalisierung der Polarisierung. Dem müsse auch mit öffentlicher Seelsorge der Kirche begegnet werden. Dies bedeute unter anderem, Räume zu bieten, um Empörung zu äußern und darüber zu sprechen.

Mit Blick auf die Aufregung um einen Segen für vier gemeinschaftlich in Liebe lebende Männer betonte Stäblein erneut, die Segenshandlung sei weder eine Hochzeit noch eine Trauung gewesen. Ein Segen sei Bitte und Zuspruch von Gottes Begleitung für Wege im Leben, „gemeinsame, schwere, leichte oder lange“. Trauungen für Gruppen oder Verbindungen von mehr als zwei Menschen gebe es in der Kirche nicht. Dem nach dem Segen für die vier Männer losgebrochenen Hass müsse entschieden widersprochen werden. Auch Queerfeindlichkeit dürfe nicht hingenommen werden.