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Bischof Gohl: “Das Rasenmäherprinzip lässt sich nicht halten”

Die erwarteten Sparrunden werden die Evangelische Landeskirche in Württemberg nach Ansicht ihres Bischofs Ernst-Wilhelm Gohl dazu zwingen, Bereiche kirchlicher Arbeit zu streichen. „Das Rasenmäherprinzip, bei dem in jedem Bereich etwas gekürzt wird, lässt sich mittelfristig nicht halten“, sagte Gohl dem Evangelischen Pressedienst (epd). Für „absolut zentral“ halte er aber die Klinikseelsorge, denn es wäre fatal, wenn sich die Kirche nicht mehr um die Kranken und ihre Angehörigen kümmerte.

Die hohe Zahl der Kirchenaustritte führt der Theologe und frühere Ulmer Dekan unter anderem auf den „Megatrend“ der Individualisierung in der Gesellschaft zurück. Das treffe ebenso Parteien, Vereine und Gewerkschaften. Gohl vermisst bei manchen Menschen, die nach Wahrnehmung eines kirchlichen Angebots wie etwa einer Trauung aus der Kirche austräten, die Solidarität. Kirche benötige auch dann Unterstützung, wenn man sie selbst im Moment nicht so sehr brauche. Wenn es die Kirche nicht mehr gäbe, ginge der Gesellschaft viel „Sozialkapital“ verloren, sagte Gohl.

Als wichtigste kirchliche Botschaft für das diesjährige Weihnachtsfest nannte der Bischof die Gewissheit im Glauben angesichts der aktuellen gesellschaftlichen Verunsicherung. In der Corona-Pandemie habe man gemerkt, dass vieles gar nicht so sicher sei, was man für sicher gehalten habe. „Mit dem Apostel Paulus sollten wir uns wieder vergegenwärtigen: Nichts kann uns scheiden von der Liebe Gottes“, betonte der Bischof. (3018/18.12.2023)