Bayerische Kirche sucht neue Wege im Wandel

Zu viele Kirchen für zu wenige Christen: Vor dieser Situation stehen die bayerischen Katholiken und Protestanten in wenigen Jahren. Landesbischof Kopp und der frühere Bamberger Erzbischof Schick setzen auf die Energie der Ortsgemeinden.
Bayerische Kirche sucht neue Wege im Wandel
Erzbischof Schick sieht Chancen für den Erhalt bayerischer Kirchen und ruft zum offenen Umgang mit Sakralräumen auf (Symbolbild)
Imago/Westend61

In der aktuellen Debatte um die Zukunft der bayerischen Kirchen hat sich der emeritierte Erzbischof von Bamberg, Ludwig Schick, optimistisch gezeigt. Er sei überzeugt, dass die beiden großen Kirchen mehr Gotteshäuser bewahren könnten, als viele derzeit meinten, sagte der Theologe bei einer Podiumsdiskussion in München in der Katholischen Akademie Bayern.

Auch der bayerische evangelische Landesbischof Christian Kopp gab sich gelassen: „Wir befinden uns in einem Wandel, aber das ist nicht der erste in der Geschichte der Kirche.“ Er setze auf die Energie der Menschen vor Ort: „Die müssen wir aktivieren, und damit sind wir erst ganz am Anfang“, betonte Kopp. Kirchen seien „Lieblingsorte“ auch für Menschen, die nicht Mitglied seien. Bei der Nutzung von Gotteshäusern wiederum sei er offen: „In Kirchen ist schon immer alles Mögliche passiert.“

Bayerische Kirche sucht Balance zwischen Liturgie und Caritas

Diese Ansicht teilte der frühere Bamberger Erzbischof: „Kirchen hatten immer verschiedene Funktionen: Verkündigung, Heilung, Caritas. Wir haben sie zuletzt ein bisschen einseitig auf Liturgie getrimmt - das war nicht die beste Idee“, sagte Schick. Bei der Nutzungsfrage von Sakralgebäuden müsse deshalb auch die katholische Kirche ihren Horizont weiten.

Forschung betont immateriellen Wert der bayerischen Kirche

Unterstützung dafür kam von wissenschaftlicher Seite: Gerade für Nicht-Mitglieder hätten Gotteshäuser oft einen hohen immateriellen Wert, betonte Albert Gerhards, Gründer der Forschungsgruppe Transara für Sakralraum-Transformation an der Uni Bonn. Darin liege ein großes Potenzial für die Gemeinden, „wenn sie ihre Räume öffnen, Gastfreundschaft zeigen und bereit sind, zu teilen“. In diesem Zusammenhang warnte der katholische Theologe vor zu großen Regionalgemeinden: „Da verliert man die Ehrenamtlichen vor Ort.“ Das Podiumsgespräch war Teil der Fachtagung „Gotteshaus, Denkmal, Kostenfaktor - Wer und was bestimmt wirklich über die Zukunft der Kirchen?“, die noch bis Samstag dauert. 

👋 Unser Social Media