Besucherinteresse in Thüringens KZ-Gedenkstätten ungebrochen

Die Besucherzahlen in den beiden großen Thüringer KZ-Gedenkstätten sind 2025 konstant geblieben. Wie die Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora auf Anfrage des Evangelischen Pressedienstes (epd) mitteilte, besuchten rund 350.000 Menschen das ehemalige Konzentrationslager Buchenwald bei Weimar und etwa 50.000 die KZ-Gedenkstätte Mittelbau-Dora. Auch die Inanspruchnahme der Bildungsangebote habe sich ähnlich entwickelt wie 2024.

Zugleich verzeichnete die Stiftung eine deutliche Zunahme politisch motivierter Vorfälle. Während bis etwa 2020 im Durchschnitt alle vier Wochen ein Vorfall bei der Polizei angezeigt werden musste, sei inzwischen nahezu wöchentlich eine Anzeige erforderlich, sagte ein Sprecher der Stiftung. Für das Jahr 2025 seien insgesamt 52 Vorfälle in Buchenwald und Mittelbau-Dora registriert worden, bei denen zumeist ein politischer Hintergrund vermutet werde.

Das Spektrum der Vorfälle reichte in der Gedenkstätte Buchenwald von E-Mails mit Todesdrohungen oder Hitlergrüßen, über das widerrechtliche Befahren des dortigen Mahnmals mit Motocross-Motorrädern bis hin zu rechtsextremen Schmierereien am Ehrenfriedhof in Nordhausen. Dort seien unter anderem Parolen wie „Seid stolz, deutsch zu sein“ in Verbindung mit Hakenkreuzen und SS-Runen festgestellt worden.

Rückläufig waren die Besucherzahlen dagegen am Erinnerungsort Topf & Söhne in Erfurt. Allerdings sind laut Kuratorin Annegret Schüle die Zahlen wenig aussagekräftig. Die Ausstellung in dem einstigen Unternehmen, das während des Nationalsozialismus die Verbrennungsöfen unter anderem für die Vernichtungslager in Auschwitz-Birkenau baute, sei Ende 2025 für vier Monate aufgrund umfangreicher Umbauten geschlossen gewesen. Die Ausstellung sei nach neuen Forschungserkenntnissen aktualisiert und um die Videoinstallation „Stimmen der Überlebenden“ mit Berichten von acht Auschwitzüberlebenden erweitert worden. Am Sonntag sollte sie eröffnet werden. Ohne die Umbaupause wäre im 80. Jahr nach Kriegsende vermutlich ein Anstieg der Besucherzahlen registriert worden, sagte Schüle.

Im Arnstädter Dokumentationszentrum des Konzentrationslagers Jonastal verzeichnete der Jonastalverein 2025 ein Besucherinteresse auf Vorjahresniveau. Die Ausstellung besuchten laut Vereinssprecher Georg Ribienski rund 250 Gäste. Die Führungen auf dem Gelände des geplanten Führerhauptquartiers vor den Toren der Stadt seien dagegen mit 440 Teilnehmern rund zehn Prozent weniger häufig gebucht worden. Vor dem Ausbruch der Corona-Pandemie hätten die Zahlen mehr als doppelt so hoch gelegen.

Das Konzentrationslager im Jonastal wurde im November 1944 zunächst als Außenlager von Buchenwald eingerichtet. Vom 14. November 1944 bis 15. Januar 1945 wurde es zeitweise als eigenständiges Lager geführt. Über 7.000 der 20.000 Häftlinge kamen hier zu Tode.

Immer wieder werde auch das Jonastal Ziel von rechtsextremistischen Angriffen. Erst Ende Dezember besprühten Unbekannte eine Tafel auf dem Geschichts- und Naturlehrpfad auf dem ehemaligen KZ-Gelände mit einem Hakenkreuz und der Aufschrift Heil Hitler.

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