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Bertelsmann Stiftung: Hamburg fehlen 6.400 Kita-Plätze

Um den Betreuungsbedarf der Eltern zu erfüllen, fehlen nach Berechnungen der Bertelsmann Stiftung 6.400 Kita-Plätze in Hamburg. Neuen Berechnungen zufolge könnte die Lücke aber bereits bis 2025 geschlossen werden, erklärte die Stiftung am Dienstag bei der Vorlage ihrer Studie in Gütersloh. Zwei Drittel (67 Prozent) der Kita-Kinder werden noch in Gruppen mit einer „nicht kindgerechten“ Personalausstattung betreut. Bis 2030 könne es Hamburg gelingen, wissenschaftlich empfohlene Personalschlüssel zu erreichen.

In Hamburg liegt laut dem „Ländermonitoring Frühkindliche Bildungssysteme“ die Quote der unter dreijährigen Kinder in Kindertagesbetreuung mit 49 Prozent über dem Bundesdurchschnitt (36 Prozent). Allerdings wünschen sich 58 Prozent der Eltern für ihr Kind in dieser Altersgruppe eine Betreuung. Bei den ab Dreijährigen befindet sich die Betreuungsquote mit 95 Prozent ebenfalls über dem Bundesdurchschnitt (92 Prozent). Jedoch haben hier 98 Prozent der Eltern Bedarf an einer Kindertagesbetreuung. „Die Kinder ohne Platz bekommen keinen Zugang zu frühkindlicher Bildung, während die Eltern Familie und Beruf schwerer vereinbaren können“, sagte Kathrin Bock-Famulla, Expertin
der Bertelsmann Stiftung für frühkindliche Bildung.

In Hamburger Kindergartengruppen ist eine Fachkraft rechnerisch für 7,5 Kinder verantwortlich. Das entspreche dem von der Bertelsmann Stiftung empfohlenen, kindgerechten Personalschlüssel, hieß es. In den Krippengruppen ist eine Vollzeit-Fachkraft rechnerisch für 4,1 ganztagsbetreute Kinder zuständig. Damit werde das von der Stiftung empfohlene Verhältnis von 1 zu 3 verfehlt.

„Wenn eine Fachkraft für mehr Kinder verantwortlich ist als wissenschaftlich empfohlen, leidet darunter die Qualität der pädagogischen Praxis. Es ist davon auszugehen, dass die Kitas in Hamburg aktuell ihren Bildungsauftrag für die Mehrheit der Kinder nicht erfüllen können“, sagte Bock-Famulla.

Bundesweit fehlen den Berechnungen zufolge fast 430.000 Kita-Plätze. Um Abhilfe zu schaffen, würden vor allem zusätzliche Fachkräfte benötigt, hieß es.

Für ihre Analyse hat die Bertelsmann Stiftung nach eigenen Angaben vor allem Daten der Statistischen Ämter von Bund und Ländern, des Bundesfamilienministeriums und des Deutschen Jugend-Instituts ausgewertet.