Es ist eines der Meisterwerke des Künstlers Vittore Carpaccio: Die Berliner Gemäldegalerie zeigt in einer neuen Ausstellung das restaurierte Gemälde “Grabbereitung Christi”. Eine Geschichte um dessen Wiederbelebung.
Sie leuchten wieder, die Farben im Gemälde “Grabbereitung Christi”. Nach einer umfangreichen Restaurierung präsentiert die Berliner Gemäldegalerie das Werk ab Donnerstag in ihrer neuen Ausstellung “Hommage an Vittore Carpaccio. Ein restauriertes Meisterwerk und die Malerei Venedigs um 1500”. In der Schau geht es aber nicht nur um das Bild selbst, sondern auch um die Geschichte seiner Wiederherstellung und Revitalisierung.
Während Geheimnisse der historischen Farben, Techniken und Materialien sowie vorangegangener Restaurierungen dank naturwissenschaftlicher Methoden und restauratorischer Expertise gelüftet sind, wirft die Ikonographie teils noch Rätsel auf. Einige Details am Bild des Bellini-Schülers empfindet der Kurator der Ausstellung, Neville Rowley, als ungewöhnlich, ja merkwürdig.
Im Bildzentrum ist der Leichnam des vom Kreuz abgenommenen Jesus aufgebahrt. Während im Hintergrund Männer die Grabkammer öffnen, bereitet Joseph von Arimathia die Waschung des Toten vor. An einen Baum gelehnt, meditiert ein Greis, der vermutlich die alttestamentarische Figur Hiob verkörpert. Diverse Details betonen den Gegensatz von Leben und Tod: Schädel und Skelettteile erinnern an die Vergänglichkeit menschlichen Daseins, eine Hintergrundszene mit musizierenden Schäfern wiederum setzt einen Kontrapunkt zum Passionsgeschehen.
Seit 1905 befindet sich das Gemälde in den Berliner Museen, wo es bereits zur Zeit des Erwerbs vom Firnis sowie Übermalungen vorausgegangener Restaurierungen befreit wurde. Außerdem hatte der damalige Restaurator es mit einer Stützleinwand versehen und auf einen neuen stabilen Keilrahmen gespannt.
Nach einer umfassenden technischen Untersuchung – diese geschah in Kooperation mit dem renommierten Rathgen-Institut – nahm Babette Hartwieg, damalige Chefrestauratorin der Gemäldegalerie, sich der “ungewöhnlich großen Leinwand” an und befreite sie von Schmutz und vergilbten Firnisüberzügen. Auch waren einige Farbpartien gealtert. “Die von Carpaccio verwendeten Farben haben eine unterschiedliche Tendenz, sich zu verändern”, erklärt die Restauratorin. Während sich das Gelb der beleuchteten Blätter an den Bäumen stabil erhalten habe, seien etwa die Grünpigmente verbräunt.
Besonders herausfordernd sei der dünne Farbauftrag Carpaccios gewesen, so Hartwieg. Der Maler habe die Farbflächen äußerst effizient angelegt und größere Flächen großzügig untermalt. “Das hat mir Kopfschmerzen bereitet”, räumt die Restauratorin ein.
Auf einer grauen Untermalung etwa hatte sie sparsam aufgetragenes Ultramarin entdeckt: “Carpaccio saß in Venedig an der Quelle, was kostbare Farben betrifft.” Der Gegensatz zwischen den warmgrauen Wolken und dem kühlblauen Himmel trat erst nach Abnahme des vergilbten, rund 120 Jahre alten Firnis wieder zu Tage.
Um beim Abtrag alter Firnis-Schichten die Originalsubstanz nicht zu zerstören, entwickelte die Expertin eigens ein Verfahren, in dem sie mit Lösemittel speziell präparierte Mikrofasertücher kurz und konturgenau auf die einzelnen Partien des Gemäldes legte. Schwerlösliche Übermalungen wiederum entfernte sie mit dem Skalpell unter dem Mikroskop.
Heute steht das Gemälde nicht mehr im Schatten des bereits strahlend restaurierten Bildes “Weihe des Hl. Stephanus zum Diakon” von Vittore Carpaccio, das sich ebenfalls im Besitz der Gemäldegalerie befindet. Bereits in den 1990er Jahren hatte das Getty Conservation Institute in Los Angeles das Werk wieder hergestellt.
In der Nachbarschaft von Werken wie “Die Heilung des Anianus durch den Hl. Markus” von Cima da Conegliano und Giovanni Bellinis “Der tote Christus, von zwei Engeln gestützt” räumt die Gemäldegalerie den Arbeiten Carpaccios den Stellenwert ein, der ihnen innerhalb der venezianischen Frührenaissance gebührt.
Doch die Ausstellung ist nicht nur eine Hommage an den Künstler. Vielmehr rückt sie auch die Kunst der Restaurierung ins Bewusstsein der Besucher. Die Ausstellung läuft bis zum 6. April 2026.