Das Verständnis von Natur im Wandel der Zeit: In einer neuen Ausstellung reist das Deutsche Historische Museum durch die deutsche Geschichte, um den Naturbegriff im Kontext von Glaube, Biologie und Macht zu beleuchten.
Der Natur-Begriff hat in der deutschen Geschichte viele Wandlungen und Definitionen durchlebt. Die neue Ausstellung "Natur und deutsche Geschichte. Glaube - Biologie - Macht" im Deutschen Historischen Museum in Berlin spannt ab Freitag einen Bogen vom 12. Jahrhundert bis in die 1970er Jahre. Ausgehend von dem Begriff der göttlichen "Grünkraft" der Ordensfrau Hildegard von Bingen zeigt die Schau an etwa 250 Exponaten, wie Regierungen sowie politische und religiöse Bewegungen den Naturbegriff immer neu für sich beansprucht haben, wie das Museum am Mittwoch mitteilte.
In fünf chronologisch angeordneten Themenräumen behandeln demnach verschiedene Stationen Ereignisse oder Entwicklungen, in denen das Naturverständnis markant geprägt oder verändert wurde. Die Ausstellung rücke dabei unterschiedliche Landschaften in den Fokus: von den Kulturlandschaften des Mittelalters über die Verwüstungen des Dreißigjährigen Krieges und den im 19. Jahrhundert zum Mythos aufgestiegenen "deutschen Wald" bis zu den Lausitzer Tagebau-Landschaften in der DDR im 20. Jahrhundert.
Neben Objekten fürs Auge sollen die Besucher auch ihre Nasen nutzen: Verschiedene Sensoren ergänzen laut Museum die Ausstellungsthemen und machen etwa die Düfte einiger Pflanzen, deren Wirkkräfte Hildegard von Bingen beschrieb, an Riechstationen erfahrbar. Zu den Kunsthöhepunkten gehören Blätter der Naturzeichnerin Maria Sibylla Merian und ein Ölbild Lotte Lastersteins von 1929. Die Ausstellung läuft bis zum 7. Juni 2026 und ist laut Museum inklusiv und weitestgehend barrierefrei gestaltet.