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Berlin gedenkt der Opfer des Hamas-Überfalls auf Israel

Der Hamas-Überfall auf Israel jährt sich zum zweiten Mal. In Berlin finden über die ganze Stadt verteilt Mahnwachen und Gedenkfeiern statt. Die Polizei hat ihr Aufgebot erhöht.

Es sind viele. Da ist Ronen Daichman, 49 Jahre, Physik-Lehrer. Oder Elisha Loewenstern, 38, Software-Entwickler. Oder Mor Gabay, 30, Sängerin. Doch sind sie es nicht selbst, die an diesem zweiten Jahrestag des Hamas-Überfalls auf Israel vor dem Brandenburger Tor in Berlin stehen. Es sind ihre Namen und ihre Bilder, angeklebt auf jeweils einem von etwa 1.100 Stühlen vor dem Brandenburger Tor in Berlin. Die Installation der Jüdischen Studierenden Union Deutschland (JSUD) gibt den vielen Opfern einen Namen, ein Bild. Es ist eine von zahlreichen Aktionen zum Gedenken an die Opfer des 7. Oktober, die an diesem Dienstag in Berlin stattfinden.

Bei den Stühlen vor dem Brandenburger Tor findet sich auch ein Hochstuhl für Kinder, in dem ein Kuscheltier liegt – Yazan Abu Jamaa, fünf Jahre. Einige der Fotos sind grau, andere in Farbe. Die Menschen in Farbe seien bereits verstorben, die Menschen, die in Grau abgebildet sind, seien noch in Geiselhaft, wie Kiril Denisov erklärt. Der Vize-Präsident der JSUD hat von Passanten schon “ehrliches Interesse” an der Installation wahrgenommen, aber auch schon “unschöne” Kommentare gehört. Auf die Frage nach dem Sicherheitsgefühl sagt er: “Der Anschlag zuletzt auf die Synagoge in Manchester ist noch präsent. Wir sind alle vorsichtig.” Das eindringliche Bild der vielen leeren Stühle zeigt, warum.

Für die Sicherheit bei dieser und vielen anderen Veranstaltungen in Berlin zum zweiten Jahrestag des Hamas-Überfalls sorgt ein erhöhtes Polizeiaufgebot. Rund 1.400 Polizisten sollen Andachten, Gedenk-Zeremonien und Installationen sichern, wie ein Polizeisprecher dem rbb sagte. Unterstützung erhalten die Beamten durch Einsatzkräfte aus Sachsen, Niedersachsen, Brandenburg, Nordrhein-Westfalen und Mecklenburg-Vorpommern. Am ersten Jahrestag waren noch 2.300 Polizisten in Berlin im Einsatz.

So flankieren auch mehrere Einsatzwagen die Installation am Brandenburger Tor. Die Aktion mit den 1.100 Stühlen ist dabei nicht die erste Gedenk-Veranstaltung am Wahrzeichen der Hauptstadt. Bereits am frühen Morgen wurden die Namen der Opfer des 7. Oktober verlesen. Am Abend sollen dann die Worte “Bring them home now” (Bringt sie jetzt nach Hause) an das Brandenburger Tor projiziert werden, wie die Berliner Staatskanzlei mitteilte. Damit solle an das Schicksal der Geiseln erinnert und die Freilassung gefordert werden. In der Nähe, am Bebelplatz, ist für den Abend eine Mahnwache gegen Antisemitismus geplant.

An die Opfer der Hamas erinnern auch die Kirchen. In einem ökumenischen Gottesdienst in der Hedwigs-Kathedrale sprachen am Vormittag der katholische Erzbischof Heiner Koch und Bischof Christian Stäblein von der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz über den Terror. “Lasst sie frei, die Geiseln, mein Gott, lasst sie endlich frei”, forderte ein sichtlich bewegter Stäblein in seiner Predigt. Er sprach neben der Solidarität mit den “jüdischen Geschwistern” auch das Leid der Palästinenser an. “Wir vergessen nicht die Kinder in Gaza-Nord und Süd und Gaza-Stadt. Sie merken, ich ringe um Worte – wir wollen aller Unschuldigen und aller Opfer dieses Terrors der Hamas gedenken.” Es gehe “nicht um Konkurrenz der Opfer”.

Koch sagte zu Beginn des Gottesdienstes: “Wir beten darum, dass die politisch Verantwortlichen alles tun, um diesen leidvollen Krieg möglichst schnell zu beenden. Wir beten darum, dass der Hass zwischen den Völkern nicht noch mehr wachse. Wir beten um den Mut zu Entscheidungen für den Frieden.”

Auch Bundespräsidentin Julia Klöckner ist in Gedenk-Zeremonien in Berlin involviert. Sie will mit Angehörigen der Opfer des Hamas-Angriffs sprechen und im Reichstagsgebäude eine Ausstellung mit Kunst aus Israel eröffnen. Zudem soll sie bei einer Gedenkfeier im Rahmen der Eröffnung einer Ausstellung im ehemaligen Flughafen Tempelhof zum Hamas-Massaker sprechen. Der 7. Oktober markiere “eine historische Zäsur, eine tiefe Wunde – für Israel und die jüdische Gemeinschaft weltweit”, sagte sie im Vorfeld.

Am 7. Oktober 2023 überfielen Terroristen der Hamas aus dem Gazastreifen Südisrael und ermordeten etwa 1.200 Menschen. Allein im Umfeld des Nova-Festivals wurden nach aktuellen Angaben mehr als 400 Menschen ermordet und mehr als 40 entführt. Zwei Jahre nach dem Angriff befinden sich noch 48 lebende und tote Geiseln in Gaza.