In einem „Future Science“-Bericht haben elf international führende Meeresforscherinnen und -forscher einen besseren Schutz für die Tiefsee gefordert. Auch mehr Forschung sei notwendig, da der nachhaltige Schutz der Tiefsee ohne umfassendes Wissen über Ökosystemprozesse und Artenvielfalt nicht möglich sei, teilte das Geomar Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung in Kiel am Donnerstag mit. Neben einer Analyse der aktuellen Forschung gibt der Bericht Empfehlungen, wie Erforschung und Management der Tiefsee in Zukunft nachhaltiger gestaltet werden könnten. Das Jahr 2025 sei entscheidend, um Maßnahmen für die Gesundheit des Ozeans zu ergreifen, hieß es.
„Der Ozean ist ein zusammenhängendes System, das von der Küste bis in die tiefsten Tiefen reicht und selbstverständlich kann die Tiefsee nicht losgelöst von der photischen, lichtdurchfluteten, Zone oder dem Meeresboden betrachtet werden“, erklärte Studienleiterin Sylvia Sander vom Geomar. Die Erforschung, Nutzung und der Schutz der Tiefsee seien unmittelbar mit der Ozeangesundheit verbunden.
Schätzungsweise 90 Prozent aller Organismen in der Tiefsee seien noch unerforscht und ihre Funktion innerhalb des Ökosystems unbekannt. Gesichert sei jedoch: Die Tiefsee speichere große Mengen CO₂ und Wärme, was zur Minderung des Klimawandels beitrage, spiele eine große Rolle im Kohlenstoffkreislauf und produziere als „Lunge des Planeten“ mehr als 50 Prozent des Sauerstoffs, hieß es.
Doch Klimaerwärmung, Versauerung und Sauerstoffmangel würden die sensiblen Lebensräume in der Tiefsee bedrohen. Zudem gefährde die Übernutzung von Fischbeständen und Ressourcen wie Öl, Gas und Mineralien die Biodiversität und Ökosystemfunktionen am Meeresgrund. „Der Klimawandel ist eine der besorgniserregendsten Bedrohungen für unsere Lebensgrundlagen und das Leben auf der Erde überhaupt“, sagte Sander. In „naher Zukunft“ könne er zusammen mit dem Verlust der Artenvielfalt zu „erheblichen und irreversiblen Störungen des gesamten Ozeans, einschließlich der Tiefsee“ führen,.
Für den internationalen Schutz und eine nachhaltige Bewirtschaftung der Tiefsee brauche es dringend wissenschaftliche Ausschüsse für den Tiefseeschutz. Sander: „Wir müssen besser verstehen, wie es dem Ozean geht, um die Tiefsee zu schützen und nachhaltig zu nutzen.“