Die Beratung von Menschen in Notlagen wird nach Beobachtung der Diakonie Ulm immer umfassender und komplexer. Denn bei den Beratungsstellen der Diakonie müssten sich die 54 Fachkräfte häufig gleich mit mehreren zusammenhängenden Problemen auseinandersetzen, sagte Petra Frey, die Geschäftsführerin des Diakonieverbands Ulm/Alb Donau, im Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst (epd). Als Beispiele nannte sie Erziehungsfragen, Eheprobleme, Gewalt in Partnerschaft und Familie, finanzielle Engpässe oder gesundheitliche Schwierigkeiten.
In vielen Fällen ziehe in einer Kettenreaktion eine Notlage, wie etwa die wachsende Wohnungsnot, mehrere andere Problemstellungen nach sich, sagte die Diakoniechefin. Deshalb müssten bei einer Beratung zuerst die Schwierigkeiten priorisiert werden. So sei es etwa bei der Schuldnerberatung das vordringliche Ziel, Obdachlosigkeit zu vermeiden, weil sonst oftmals nicht mehr die Rückkehr in ein geordnetes Leben gelinge. Insgesamt wachse bei Überschuldungen der Beratungsbedarf, was zu einer aktuellen Warteliste von rund 100 Fällen führe.
Außerdem verzeichnet die Diakonie Ulm/Alb-Donau einen wachsenden Beratungsbedarf bei häuslicher Gewalt, sagte die Diakoniechefin. Dabei setze die Psychologische Beratung auf „Opferschutz durch Täterarbeit“, um eine grundlegende Verhaltensänderung der Verursacher zu erreichen. Denn nach häuslicher Gewalt hätten noch zu oft die unschuldigen Opfer, zumeist Frauen und Kinder, die Folgen zu tragen und müssten ihr Lebensumfeld verlassen. Da die Beratungsstellen überlastet seien, gebe es bei der „Täterarbeit“ eine Wartezeit von etwa sechs Wochen, sagte Frey. Die Beratung bei häuslicher Gewalt der Diakonie, die ursprünglich als Projekt bis 2025 angelegt war, kann vor allem durch Mittel der „Aktion Mensch“ zunächst bis 2027 weitergeführt werden. Um die Beratungsarbeit auf Dauer finanzieren zu können, seien neben kirchlichen Mitteln und kommunalen Zuwendungen Spenden, etwa durch Fördervereine, immer wichtiger. (1049/07.05.2025)